Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Menschen mit Demenz im Verlauf ein hohes Risiko für Mangelernährung (Malnutrition) tragen. Mangelernährung an sich ist ein persistenter Zustand, in dessen Folge die Gesundheit leidet, sowohl physisch als auch psychisch. Auch die kognitiven Fähigkeiten können leiden. Häufig wird bei Menschen mit Demenz angenommen, der Rückgang der Geschmackswahrnehmung sei dafür verantwortlich, wenn sie nicht ausreichend oder sogar auffällig wenig essen. Doch die Ursachen können vielfältig sein.
Die verwitwete Gastwirtin Lina G. lebt seit 4 Monaten im Pflegeheim. Dort wird eine kontinuierliche Gewichtsabnahme festgestellt, da sie auffällig wenig isst. Eine motorische Einschränkung der Arme oder Hände ist nicht gegeben. Lina G. befindet sich im mittleren Stadium der Alzheimerkrankheit, spricht nur noch in Einwortsätzen, keine bekannte Dysphagie.
Gründe, warum etwa 40 % der Betroffenen ungewollt Gewicht verlieren
- Veränderung der Wahrnehmung: Speisen und Getränke können als solche nicht mehr identifiziert oder einzelne Lebensmittel als giftig oder ungenießbar betrachtet werden.
- Nachlassendes Gedächtnis: Betroffene können vergessen, ob sie bereits gegessen haben und wie lange die letzte Mahlzeit her ist.
- Geschmacksveränderungen: Änderungen des Geschmackssinns können dazu führen, dass Betroffene nur noch Lebensmittel einer Geschmacksrichtung essen möchten und anderes ablehnen. Beobachtet wird häufig, dass Betroffene Süßes bevorzugen.
- Schluckstörungen: Im Verlauf einer Demenz kann es zu Schluckstörungen kommen, welche die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen können.
- Verlust von alltagspraktischen Fähigkeiten: Nicht nur sich selbst Mahlzeiten zuzubereiten, kann unmöglich werden. Auch z. B. die Handhabung von Besteck kann für Betroffene erschwert oder unmöglich sein.
- Schmerzen: Vor allem, wenn die Wahrnehmung und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit zurückgegangen sind, können Betroffene ihre Umgebung nicht mehr direkt darauf hinweisen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Zahnschmerzen, schlecht sitzende Prothetik etc. kann die Nahrungsaufnahme und den Appetit negativ beeinflussen.
- Umgebungsfaktoren: Betroffene sind häufig leicht ablenkbar, können die Konzentration nicht aufrechterhalten und benötigen entsprechend dabei Unterstützung und Erinnerung.
Warum ist Ihre Rolle im Ernährungsmanagement so wichtig?
Es sind verschiedene Faktoren, die zu einer Mangelernährung bei Menschen mit Demenz führen können. Ihnen als Pflegefachperson kommt eine Schlüsselrolle im Ernährungsmanagement zu. Da die Folgen von Mangelernährung für Pflegebedürftige drastisch sein können, ist das Ernährungsmanagement auch gegenüber den Qualitätskontrollorganen unabdingbar und muss entsprechend regelmäßig angepasst werden. Eine regelgerechte Gewichtskontrolle und Dokumentation sind obligatorisch. Bitte beachten Sie dazu auch den Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege des Deutschen Netzwerkes für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).
Testen Sie jetzt „Demenzpflege im Fokus“ und profitieren Sie von einer maßgeschneiderte Unterstützung für Pflegefachkräfte in der Demenzversorgung!
Jede Ausgabe beinhaltet aktuelle Fallbesprechungen aus dem Pflegealltag, Expertenwissen zur Demenzpflege, bewährte Ansätze zur Beziehungsgestaltung, spezialisiertes Know-how zur Versorgung im Spätstadium sowie praxisorientierte Tipps für eine effektive Kommunikation und Pflegeplanung.