Pflege & Medizin

Musterbrief: So informieren Sie Ihre Pflegekunden zum Thema „Kontinenz“

In der letzten Ausgabe von „pdl.konkret ambulant“ haben wir Ihnen vorgestellt, wie Sie die neuen Richtlinien des Expertenstandards zur „Kontinenzförderung in der Pflege“ in Ihrem Pflegedienst umsetzen können. Neben der […]

Annett Urban

26.08.2024 · 3 Min Lesezeit

In der letzten Ausgabe von „pdl.konkret ambulant“ haben wir Ihnen vorgestellt, wie Sie die neuen Richtlinien des Expertenstandards zur „Kontinenzförderung in der Pflege“ in Ihrem Pflegedienst umsetzen können. Neben der Anpassung Ihrer internen Abläufe und der Organisation von Weiterbildungen für Ihre Mitarbeiter ist es ebenso wichtig, dass Sie in Zusammenarbeit mit anderen an der Pflege beteiligten Personen maßgeschneiderte Informationen, Schulungen und Beratungen zur Kontinenzförderung anbieten. Dies gilt insbesondere für Ihre Pflegekunden, die Probleme mit der Kontinenz haben, und ggf. auch für deren Anund Zugehörige. Zudem sollten Sie auf den Einsatz passender Hilfsmittel zur Unterstützung oder Kompensation von Inkontinenz eingehen.  

Wichtig

Die An- und Zugehörigen dürfen Sie nur mit Einverständnis Ihres Pflegekunden über die Probleme informieren, und sie werden auch nur auf Wunsch Ihres Pflegekunden an der Beratung beteiligt. Sorgen Sie dafür, dass die Beratung an einem ruhigen und ungestörten Ort stattfindet.

Nach dem Beratungsgespräch: Übergeben Sie ein Informationsschreiben

Ergänzend zu einem persönlichen Beratungsgespräch können Sie Ihrem Pflegekunden auch weiteres Informationsmaterial übergeben. Auch unser Musterschreiben, das Sie auf der nächsten Seite finden, dürfen Sie gern nutzen. Aber schauen Sie immer, ob die Inhalte auch zu den Problemen Ihres Pflegekunden passen oder ggf. individuell angepasst werden müssen.  

Muster: Informationsschreiben zur Kontinenzförderung
Informationsschreiben zur Kontinenzförderung
Sehr geehrter Herr Müller, sehr geehrte Angehörige,



im Rahmen unserer pflegerischen Leistungen haben wir festgestellt, dass bei Ihnen Kontinenzprobleme bestehen. Diese können sowohl den Abgang von Stuhl als auch von Urin betreffen. Wir haben Sie daher bereits mündlich beraten und gemeinsam Maßnahmen geplant, die wir in unseren Pflegeeinsätzen durchführen. Die überwiegende Zeit des Tages versorgen Sie sich jedoch selbst und/oder erhalten Unterstützung von Ihren An- und Zugehörigen. Wir möchten Ihnen daher hier noch einmal die wichtigsten Informationen schriftlich zur Verfügung stellen.



Ein gesunder Mensch ist in der Lage, Ort und Zeitpunkt der Blasen- oder Darmentleerung selbst zu bestimmen. Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen die Toilette nicht selbstständig aufsuchen können, haben durch rechtzeitiges Bescheidsagen dennoch die Möglichkeit, die Ausscheidung selbst zu steuern. Erst wenn der Urin oder Stuhl nicht mehr willkürlich zurückgehalten werden kann, spricht man von Inkontinenz – ein weitverbreitetes Pflegeproblem.



Risikofaktoren und Ursachen für Urininkontinenz sind:



– Veränderungen des Körpers, wie z. B. nachlassende geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, Übergewicht, Verstopfung, hormonelle Veränderungen, Beckenbodenschwäche, eingeschränkte Beweglichkeit, sodass der Gang zur Toilette erschwert wird oder nicht möglich ist

– Erkrankungen, wie z. B. Blasenentzündungen, Prostataerkrankungen, Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose

– von außen einwirkende Ursachen, wie z. B. verschiedene Medikamente (z. B. zum Entwässern), Kleidung, die sich nur schwer ausziehen lässt, schwierige räumliche Bedingungen im häuslichen Bereich



Es ist wichtig, frühzeitig etwaige Risikofaktoren zu erkennen. Denn nur so können Sie, gern mit unserer Unterstützung, gezielt und schnellstmöglich notwendige präventive Maßnahmen einleiten.



Viele Arten von Inkontinenz können mit den richtigen Maßnahmen verbessert oder geheilt werden. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Bei Bedarf wird dieser weitere Fachärzte (z. B. für Urologie, Gastroenterologie oder Frauenheilkunde) hinzuziehen.



Je nach Ursache der Inkontinenz bestehen verschiedene Therapieoptionen wie z. B. Therapie der Grunderkrankung, Reduzierung von Übergewicht, Beckenbodentraining, Blasentraining/-stimulation, Medikamente oder Operationen. Sollte die Inkontinenz nur eingeschränkt oder nicht behandelbar sein, können richtiges Verhalten und der Einsatz von Hilfsmitteln die Lebensqualität deutlich steigern.



Folgende Tipps für den Umgang mit Inkontinenz möchten wir Ihnen geben:



– Passen Sie Ihre Haut- und Körperpflege an, achten Sie z. B. darauf, dass Sie nicht zu lange feuchte Inkontinenzartikel tragen, nutzen Sie pH-neutrale Körperpflegemittel, achten Sie auf etwaige Hautveränderungen.

– Tragen Sie leicht zu öffnende Kleidung.

– Passen Sie Ihr Trinkverhalten an, z. B. gegen Abend weniger trinken.

– Gehen Sie regelmäßig und in festen Zeitabständen bei Tag und ggf. auch in der Nacht zur Toilette.

– Nutzen Sie ggf. Hilfsmittel wie Urinflaschen oder Toilettenstühle.

– Führen Sie ein Beckenbodentraining durch (wir beraten Sie gern).

– Sprechen Sie uns an, wenn Sie Unterstützung und Begleitung bei den Toilettengängen benötigen.



Im häuslichen Bereich können Hilfsmittel durch Ihren Hausarzt mittels Rezept verordnet werden. Je nach Kranken- oder Pflegekasse kann das Rezept an unterschiedlichen Stellen eingelöst werden. Einige Kassen haben Verträge mit Lieferanten, in diesem Fall müssen die Hilfsmittel über diese bezogen werden. Weiterhin können Sie Hilfsmittel über folgende Anbieter erhalten: Sanitätshäuser, Apotheken, Drogeriemärkte, Internet. Nehmen Sie bei Beratungsbedarf rechtzeitig Kontakt mit unserem Pflegedienst auf und lassen Sie sich über mögliche Hilfsmittel beraten.



Wenn Sie weitere Fragen zum Thema „Inkontinenz“ – insbesondere zu speziellen Fragen hinsichtlich Harn- oder Stuhlinkontinenz – haben, können Sie gern und jederzeit unsere Mitarbeiter ansprechen. Ebenso können Sie aber auch unser Pflegebüro anrufen und einen weiteren Beratungstermin mit unserer Pflegedienstleitung vereinbaren.



Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pflegedienst „Konkret“

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