Die Pflege ist ein körperlich anstrengender Beruf. Viele langjährige Pflegekräfte leiden irgendwann an Rückenproblemen. Punkten Sie als Arbeitgeber, der auf die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter Wert legt, und setzen Sie diese 7 Tipps zur Verhinderung von Rückenleiden um.
Betrachten Sie eine Strategie zur Verhinderung von berufsbedingten Erkrankungen nicht nur als lästige Pflicht des Arbeitgebers aus Fürsorgeverantwortung für Ihre Mitarbeiter. Auf einem Arbeitsmarkt, auf dem jede Pflegekraft aus annähernd beliebig vielen Jobangeboten auswählen kann, gilt ein Arbeitgeber als attraktiv, der sich für die Gesundheit seiner Mitarbeiter besonders einsetzt. Mit einem effizienten Gesundheitsmanagement für Ihre Mitarbeiter verschaffen Sie sich Vorteile gegenüber anderen Arbeitgebern. Nutzen Sie dazu die folgenden 7 Tipps.
- Tipp: Erkennen Sie mögliche Gefahren rechtzeitig: Damit Sie die passenden Maßnahmen zum rückenschonenden Arbeiten überhaupt einleiten können, müssen Sie zunächst analysieren, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Mit einer Gefährdungsbeurteilung kommen Sie den Ursachen meist schnell auf die Spur. Nehmen Sie hierbei die körperliche Belastung durch die Arbeitsaufgaben in den Fokus, überprüfen Sie die eingesetzten Hilfs- und Arbeitsmittel auf Anwendbarkeit und analysieren Sie die Arbeitsumgebung. Daraus können Sie spezifische Maßnahmen für ein rückenfreundliches Berufsleben ableiten. Die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung wird im Übrigen durch das Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben. Denken Sie hier aber an die Vorteile: Diese spart langfristig Kosten (z. B. durch Verhinderung von Fehlzeiten) und fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter.
- Tipp: Setzen Sie technische Hilfsmittel richtig ein: Lifter, Aufstehhilfen oder Pflegebetten sind in der Anschaffung kostenintensiv. Damit Ihre Mitarbeiter Bewohner möglichst rückenschonend bewegen, mobilisieren und lagern können, sind diese Hilfsmittel aber von entscheidender Bedeutung. Die Frage, ob solche technischen Hilfsmittel überhaupt benötigt werden, stellt sich damit nicht. Und so gibt es sicherlich in keinen Pflegeeinrichtungen mehr sogenannte „Pump-“ oder „Kurbelbetten“ – die ich noch aus meiner Ausbildung kenne –, die nur durch körperliche Betätigung des entsprechenden Mechanismus hoch- oder heruntergefahren werden können. Die meisten Hilfsmittel sind heute elektrisch. Ermitteln Sie aber vor dem Kauf, ob sich das jeweilige Gerät für Ihre Arbeitsabläufe in der Pflege eignet. Dies kann vor allem durch einen praktischen Probeeinsatz des Hilfsmittels bei Ihnen vor Ort festgestellt werden. Die meisten Hersteller haben kein Problem damit, für einen solchen Test ihre Produkte zur Verfügung zu stellen. Dann können Ihre Mitarbeiter, die ja Tag für Tag mit dem Hilfsmittel arbeiten müssen, testen, ob es in der Bauweise tatsächlich auch einen rückenschonenden Effekt hat.
- Tipp: Achten Sie auf die Überprüfung und Wartung der Hilfsmittel: Technische Hilfsmittel und Geräte müssen regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand überprüft werden. Der Lieferant und Hersteller muss für eine regelmäßige Überprüfung und Wartung sorgen. Der Zeitabstand ist geräteabhängig und wird in der Regel vom Hersteller festgelegt. Ein Medizinproduktebeauftragter in Ihrer Einrichtung sollte fortgebildet sein und diese Wartungen überprüfen.
- Tipp: Setzen Sie geeignete Pflegebetten ein: Sicherlich werden Sie nicht auf einen Schlag hochmoderne Pflegebetten anschaffen können – wenn Sie nicht ohnehin schon welche haben. Sie können aber Betten, die nicht mehr einsetzbar sind, durch moderne ersetzen. Letzter Stand der Technik ist ein vollelektrisches Bett. Es sollte idealerweise in einem Bereich von 40–80 cm höhenverstellbar sein. Außerdem sollten sich per Fernbedienung bzw. Knopfdruck Funktionen wie die Neigungseinstellung sowie die Rücken- und Beinlehnenposition verändern lassen. Somit werden Ihre Mitarbeiter von rückenbelastenden Bewegungen am Bewohnerbett entlastet und können im Bedarfsfall das Bett auf eine gute Arbeitshöhe „hochfahren“. Eine geteilte Seitensicherung ist ebenfalls sinnvoll. Sie kann im Bedarfsfall unter das Niveau der Liegefläche geschoben werden und sichert somit den Bewohner auch beim Sitzen. Beziehen Sie Ihre Pflegemitarbeiter bei einer Neuanschaffung unbedingt mit ein. Sinnvoll ist hier ein Messebesuch mit Ihren WBLs, bei dem verschiedene Produkte angeschaut werden. Vor Ort kann mit den Herstellern besprochen werden, ob auch eine Musterausstellung möglich ist. Wichtig: Klären Sie mit Ihrem Trägerverband ab, ob es mit einzelnen Herstellern Rahmenverträge für vergünstigte Konditionen gibt.
- Tipp: Halten Sie kleine nützliche Hilfsmittel vor: Es gibt eine Vielzahl von kleinen Hilfsmitteln, die im Pflegealltag problemlos eingesetzt werden können und die zu einer erheblichen Entlastung des Rückens beitragen. Durch ihren Einsatz kann der Bewohner seine Ressourcen gezielt nutzen und somit seine Restfähigkeiten bei der Mobilisation voll einbringen (zur Entlastung des Pflegemitarbeiters). Oder diese Hilfsmittel reduzieren den Reibungswiderstand, sodass ein einfacheres Heben und Mobilisieren möglich ist. In der Übersicht finden Sie eine Auswahl nützlicher Hilfsmittel. Diese Hilfsmittel sind oft nicht kostenintensiv – haben aber einen großen Effekt. Sparen Sie hier nicht, sondern setzen Sie sich so als Einrichtungsleitung, der die Gesundheit ihrer Mitarbeiter wichtig ist, gezielt in Szene.
- Tipp: Entlasten Sie Ihren Rücken: Besprechen Sie mit Ihren WBLs, dass sie darauf achten, dass die Mitarbeiter rückenschonend arbeiten. Dazu gehört, dass Pflegekräfte bei schweren Bewohnern möglichst zu zweit arbeiten. Außerdem sollen Mentoren wie WBLs in die Anwendung von Hilfsmitteln einarbeiten. Nur wenn die Mitarbeiter im Umgang mit den Hilfsmitteln sicher sind, werden sie diese auch anwenden. Ihre WBL kann z. B. bei Pflegevisiten auch darauf achten, dass ihre Mitarbeiter körpernah arbeiten, um die Hebelwirkung gering zu halten. Das Gewicht sollte von einem Fuß auf den anderen verlagert werden, anstatt die Bewegungen aus Rücken oder Armen heraus auszuführen. Wichtig ist also, dass die Mitarbeiter regelmäßig ein aktives Feedback bekommen, ob sie tatsächlich rückenschonend arbeiten, und dann – sollte dies nicht so sein – auch Handlungsempfehlungen erhalten, was sie besser machen können.
- Tipp: Nutzen Sie die Ressourcen des Bewohners Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für Folgendes: Die Bewohner sollen bei der Pflege so viel wie möglich mithelfen. So können Ihre WBLs und Mentoren Ihren Mitarbeitern erläutern, dass sie sich für den geplanten Bewegungsablauf an den physiologischen Bewegungsmustern und den individuellen Ressourcen des Bewohners orientieren. Der Bewohner soll das Tempo vorgeben, sodass der Pflegemitarbeiter die Bewegung mit dem Bewohner macht und nicht für ihn. Dem Bewohner sollte der anstehende Bewegungsablauf erklärt werden, damit er folgen und mithelfen kann. Dies schafft Orientierung und sorgt für eine gemeinsame Bewegung.
| ÜBERSICHT: | SINNVOLLE UND KOSTENGÜNSTIGE HILFSMITTEL ZUM RÜCKENSCHONENDEN ARBEITEN |
| Antirutschmatte | Eine Antirutschmatte unter den Füßen ermöglicht dem Bewohner, sich bei Bewegungen in Richtung Kopfende abzudrücken. |
| Haltegürtel | Damit können Sie einen Bewohner beim Aufstehen, Hinsetzen oder Umsetzen sicher halten. |
| Drehscheibe | Sie erleichtert das Umsetzen eines Bewohners, z. B. von der Bettkante in den Rollstuhl. |
| Rutschbrett | Es hilft beim Positionswechsel von nicht stehfähigen Bewohnern, selbst wenn kleinere Höhenunterschiede oder Distanzen zu überwinden sind. |
| Rollbrett | Es erlaubt das sichere Umlagern z. B. von Bett zu Trage. Zugschlaufen ersparen das weite Vorbeugen der Pflegekraft und das „Ziehen“ am Bewohner. |
| Transfermatte | Damit kann der Bewohner z. B. im Bett bequem umgelagert oder höher gelagert werden, ohne ihn heben zu müssen. |
| Gleitmatten | Sie helfen bei Positionswechseln und Transfers, ohne dass ein kräftezehrendes „Ziehen“ des Bewohners notwendig ist. |
| Bettleiter | Sie hilft dem Bewohner beim Aufsetzen im Bett. |
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