Immer wieder erhalte ich ängstliche Nachfragen zum Thema „Fragen im Vorstellungsgespräch“. Die Angst, einen Verstoß z. B. gegen das AGG zu begehen, scheint groß zu sein. Ich kann Sie da allerdings beruhigen: Im realen Arbeitsleben gibt es nur sehr wenige Klagen wegen Fehlern im Vorstellungsgespräch. Aber in Zeiten des Mitarbeitermangels ist ja auch eine Absage wegen einer unbedachten Frage schon höchst ärgerlich. Dennoch ist es natürlich in Ihrem Interesse, einen Bewerber möglichst gut kennenzulernen, um seine Eignung für die Stelle und das Team herauszufinden.
Fragen erlaubt, aber mit Augenmaß
In Vorstellungsgesprächen dürfen Sie Bewerbern gründlich auf den Zahn fühlen und alle Fragen stellen, die im Zusammenhang mit der von Ihnen zu besetzenden Stelle stehen. Nicht erlaubt sind Fragen, die den Bewerber diskriminieren oder die Privat- oder Intimsphäre verletzen. Unsere Übersicht zeigt Ihnen die 7 häufigsten Fehlerquellen im Bewerbungsgespräch und beschreibt, wie Sie diese vermeiden können:
| ÜBERSICHT: Fehlerquellen im Bewerbungsgespräch | ||
| Fehlerquelle | So geht es besser | |
| 1. | Schlechte Vorbereitung des Gesprächs ▶ Bewerbungsunterlagen nicht genau gelesen ▶ Kein genaues Anforderungsprofil ▶ Kein Interview-Leitfaden | ▶ Festlegen, wen Sie überhaupt suchen und welche Qualifikationen der Bewerber haben muss ▶ Genaue Analyse der Bewerbungsunterlagen ▶ Festlegung eines Interview-Leitfadens für das Gespräch ▶ Gezielte Nachfragen zu Widersprüchen oder Unklarheiten in den Bewerbungsunterlagen |
| 2. | Sie reden zu viel ▶ Ihr Gesprächsanteil ist höher als der des Bewerbers. ▶ Selbstdarstellung des Interviewers | ▶ Halten Sie Ihren Gesprächsanteil möglichst klein. ▶ Lassen Sie den Bewerber reden. ▶ Stellen Sie offene Fragen, die man nicht nur mit Ja oder Nein beantworten kann. |
| 3. | 1. Eindruck entscheiden lassen ▶ Personalentscheidung wird aus dem Bauch heraus getroffen ▶ Persönliche Sympathie wird in den Vordergrund gestellt ▶ 1. Eindruck wird überbewertet | ▶ Achten Sie auf die fachlichen und persönlichen Qualifikationen des Bewerbers. ▶ Bewerten Sie persönliche Sympathie nicht zu hoch. ▶ Führen Sie das Gespräch zu zweit und tauschen Sie sich aus. |
| 4. | Zu wenig Zeit einplanen ▶ Bewerbungsgespräche werden nebenbei geführt ▶ Kein festes Zeitfenster für Gespräch eingeplant ▶ Mehrere Bewerbungsgespräche in kurzer Zeit hintereinander | ▶ Planen Sie genügend Zeit ein. ▶ Sorgen Sie für eine angenehme und lockere Gesprächsatmosphäre. ▶ Planen Sie zeitliche Puffer zwischen den Interviews ein. |
| 5. | Spontane Entscheidung treffen ▶ Spontane Entscheidung im Gespräch ▶ Entscheidung ohne Reflexion nach dem Gespräch | ▶ Halten Sie sich mit vorschnellen Zusagen zurück. ▶ Vereinbaren Sie mit dem Bewerber, wann Sie sich bei ihm melden werden. ▶ Analysieren Sie alle Bewerbungsgespräche anhand Ihrer Aufzeichnungen genau und treffen Sie erst dann eine Entscheidung. ▶ Halten Sie Rücksprache mit den übrigen Teilnehmern. |
| 6. | Unzulässige Fragen stellen ▶ Fragen, die die Intimsphäre des Bewerbers verletzen ▶ Fragen, die die Privatsphäre des Bewerbers verletzen ACHTUNG! In beiden muss der Bewerber nicht wahrheitsgemäß beantworten. | ▶ Überlegen Sie im Vorfeld, welche Fragen Sie im Bewerbungsgespräch stellen wollen. ▶ Erarbeiten Sie einen Interview-Leitfaden, den Sie für alle Bewerbungsgespräche nutzen, aber auch, um auf den Bewerber zugeschnittene Fragen ergänzen zu können. |
| 7. | Diskriminierende Fragen stellen Fragen nach: Herkunft, Religion, Geschlecht, Familienplanung, Alter, Behinderung, sexueller Orientierung ACHTUNG! Solche Fragen können zu Schadenersatzansprüchen nach dem AGG führen. | ▶ Verzichten Sie auf diskriminierende Fragen. ▶ Überprüfen Sie die Passgenauigkeit zu Ihrem Team anhand anderer Kriterien. |
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