Hygiene

Die 10 häufigsten Hygienemängel in der Altenpflege – und wie Sie diese beseitigen

Ein Hygienekonzept gehört zum Alltag in Ihren Einrichtungen. Dennoch zeigen interne Audits, Begehungen der Gesundheitsämter und Qualitätsprüfungen immer wieder ähnlich geartete Schwachstellen. Häufig handelt es sich nicht um gravierende Hygieneverstöße, […]

Sandra Herrgesell

10.08.2026 · 3 Min Lesezeit

Ein Hygienekonzept gehört zum Alltag in Ihren Einrichtungen. Dennoch zeigen interne Audits, Begehungen der Gesundheitsämter und Qualitätsprüfungen immer wieder ähnlich geartete Schwachstellen. Häufig handelt es sich nicht um gravierende Hygieneverstöße, sondern um kleine organisatorische Mängel, die sich im Laufe der Zeit einschleichen. Gerade diese vermeintlichen Kleinigkeiten können das Risiko für Infektionsübertragungen erhöhen und die Wirksamkeit Ihres Hygienemanagements beeinträchtigen. Die folgenden 10 Punkte gehören zu den häufigsten Feststellungen in Pflegeeinrichtungen – und lassen sich mit überschaubarem Aufwand verbessern.

  1. Desinfektionsmittelspender sind vorhanden aber ungünstig platziert. In vielen Einrichtungen sind ausreichend Desinfektionsmittelspender vorhanden. Im Alltag zeigt sich jedoch häufig, dass sie nicht dort angebracht sind, wo sie tatsächlich benötigt werden. Sie befinden sich hinter Türen, werden von Pflegewagen oder Rollstühlen verdeckt oder liegen außerhalb der natürlichen Laufwege. Bei einer Hygienebegehung sollten Sie daher mit wachen Augen ermitteln, ob Spender so angebracht sind, dass sie intuitiv genutzt werden können.
  2. Diensthandys, Tablets und Tastaturen werden vergessen. Mit der zunehmenden Digitalisierung gehören Smartphones, Tablets und Computer längst zum Pflegealltag. Sie werden während der Dokumentation, bei Telefonaten oder für die Tourenplanung genutzt – oft mit denselben Händen, mit denen zuvor Pflegekunden versorgt wurden. Trotzdem fehlen diese Arbeitsmittel häufig in den Reinigungsund Desinfektionsplänen. Definieren Sie deshalb klare Zuständigkeiten, geeignete Reinigungsintervalle und Desinfektionsverfahren für elektronische Geräte.
  3. Handschuhe werden häufiger getragen als notwendig. Handschuhe vermitteln Sicherheit – können aber bei falscher Anwendung selbst zum Hygienerisiko werden. Häufig tragen Ihre Mitarbeitenden sie zu lange oder wechseln sie nicht zwischen verschiedenen Tätigkeiten. Da wird der Pflegekunde versorgt, der Müllbeutel verschlossen und anschließend die Türklinke angefasst. Nicht selten wird die Händedesinfektion vergessen, weil Handschuhe als Ersatz angesehen werden. Beobachten Sie Arbeitsabläufe und gehen mit den Mitarbeitenden ins Gespräch.
  4. Reinigungspläne werden abgezeichnet, aber nicht gelebt. Ein vollständig ausgefüllter Reinigungsplan sagt wenig darüber aus, ob die Reinigung tatsächlich wie vorgesehen durchgeführt wurde. Beobachten Sie deshalb stichprobenartig die Umsetzung und prüfen Sie, ob Mitarbeitende wissen, welche Flächen wie häufig zu reinigen sind.
  5. Medizinprodukte geraten aus hygienischer Sicht aus dem Blick. Blutdruckmessgeräte, Pulsoxymeter, Rollatoren oder Patientenlifter werden täglich bei mehreren Bewohnern eingesetzt. Werden sie nicht regelmäßig gereinigt oder desinfiziert, können sie zur Übertragung von Krankheitserregern beitragen. Achten Sie darauf, dass die hygienische Aufbereitung in den Arbeitsabläufen eindeutig geregelt ist. Lassen Sie sich bei Unsicherheiten vom Hersteller beraten.
  6. Kontaktflächen außerhalb der Bewohnerzimmer werden unterschätzt. Türgriffe, Lichtschalter, Handläufe, Rufanlagen, Aufzugtaster oder Schlüsselschränke werden täglich von vielen Personen berührt. Dennoch stehen sie häufig nicht im Fokus der Reinigung. Erweitern Sie Ihre Hygienebegehung bewusst auf diese Bereiche.
  7. Lagerhaltung und Materialversorgung werden erst im Engpass überprüft. Fehlende Handschuhe oder leere Desinfektionsmittelspender sind häufig keine Folge mangelnder Hygiene, sondern unzureichender Lagerorganisation. Kontrollieren Sie Mindestbestände, Verfallsdaten und Nachbestellprozesse regelmäßig.
  8. Hygieneregeln sind bekannt – aber nicht mehr präsent. Auch erfahrene Mitarbeitende profitieren von kurzen Auffrischungen. Kleine Erinnerungsaktionen, Teamgespräche oder praktische Übungen helfen, Hygieneregeln wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Hygienebegehungen bieten hierfür einen guten Anlass.
  9. Maßnahmen werden dokumentiert – aber nicht nachverfolgt. In vielen Einrichtungen werden Mängel sorgfältig protokolliert. Weniger konsequent erfolgt jedoch die Überprüfung, ob vereinbarte Maßnahmen umgesetzt wurden. Legen Sie Verantwortlichkeiten und Fristen fest und kontrollieren Sie die Wirksamkeit bei der nächsten Begehung.
  10. Hygienebegehungen werden als Kontrolle verstanden. Eine erfolgreiche Hygienebegehung lebt vom Dialog. Beziehen Sie Mitarbeitende aktiv ein und fragen Sie nach ihren Erfahrungen: Wo entstehen Schwierigkeiten? Welche Materialien fehlen? So entwickeln sich Hygienebegehungen vom Kontrollinstrument zum Motor des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

Mein Fazit: Beleben Sie den toten (Hygiene)Winkel

Die aufgeführten Punkte sind neuralgisch, denn sie können Keimverschleppungen und übertragungen begünstigen und damit Ihre Pflegekunden und Mitarbeitenden gefährden. Schauen Sie hin.

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