Frage 1: Gilt die 25%-Regelung auch für die Fehlzeiten im Orientierungseinsatz?
Antwort: Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas weiter ausholen, denn hier kommt es wirklich auf jedes Detail an. Sie wissen bestimmt, dass generell gilt: Während eines einzelnen Pflichteinsatzes sind maximal 25% Fehlzeiten zulässig. Fehlstunden, die darüber hinausgehen, sind immer nachzuholen.
Da der Orientierungseinsatz nach §3 Absatz 3 PflAPrV allerdings nicht als Pflichteinsatz im Sinne des §1 Abs. 4 Satz 1 PflAPrV zählt, findet die 25%-Regelung keine Anwendung. Daher können im Orientierungseinsatz auch höhere Fehlzeiten akzeptiert werden, so lange das Ausbildungsziel noch erreicht werden kann. Und natürlich gilt nach wie vor: Insgesamt muss Ihr Azubi während seiner Ausbildung mindestens 2250 Stunden in der Praxis absolvieren. Für Ihre Arbeit heißt das: Der Orientierungseinsatz hat einen Umfang von 400 Stunden. 25% Fehlzeiten wären 100 Stunden. Würde Ihr neuer Auszubildender z. B. 105 Stunden fehlen, wäre das rein vom Gesetz her ok. Sie als Praxisanleiter sollten im engen Austausch mit der Pflegeschule dann aber auch immer entscheiden, ob bei diesen Fehlzeiten das Ausbildungsziel dann noch gut erreicht werden kann. Da der Orientierungseinsatz ja auch immer sehr eng mit der Probezeit verknüpft ist, machen Sie sich am besten ein Gesamtbild und entscheiden unter Berücksichtigung ALLER Faktoren, ob es mit diesem Azubi weitergehen kann. Wie hat ihn die Schule wahrgenommen?
Ist/ war er außerhalb der Krankheitszeiten zuverlässig und motiviert für die Ausbildung? Ist er mit Ihnen im Dialog? Haben Sie das Gefühl, dass es eine echte Arbeitsunfähigkeit ist, oder was kann sonst hinter den Ausfallzeiten stecken? Ich empfehle Ihnen, immer zu berücksichtigen, dass wir es in der Regel mit jungen Menschen zu tun haben, die auf ihrem Weg die eine oder andere Hilfestellung von uns brauchen. Verurteilen Sie neue Azubis nicht vorschnell, wenn die 1. Krankmeldung in den ersten 1-2 Monaten der Ausbildung kommt, sondern versuchen Sie herauszufinden, was die Ursachen sind. Dazu sollten Sie von Anfang an eine gute Beziehung mit dem Azubi aufbauen, echtes Interesse bekunden und ihn liebevoll (aber auch konsequent) begleiten.

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