Leserfrage: „Soll ich mich im Vertiefungseinsatz wirklich nur noch auf die Abschlussprüfung konzentrieren?“
„Letzte Woche habe ich mit meinem Praxisanleiter-Kollegen Jens diskutiert: Er meinte, er würde im 3. Ausbildungsjahr und besonders im Vertiefungseinsatz nichts anderes als die Vorbereitung auf die praktische Abschlussprüfung im Rahmen seiner Praxisanleitungen mit den Azubis üben. Das mache ich bisher nicht so und finde das auch etwas übertrieben. Für mich ist es wichtig, meinen Auszubildenden im 3. Jahr auch wichtige pflegefachliche Themen wie z. B. das Pflegegradmanagement, die eigenständige Durchführung von Neuaufnahmen, den professionellen Umgang mit dem Risikomanagement usw. zu vermitteln. Wie denken Sie darüber?“
Antwort: Hm, eine interessante Frage: Ich finde, Sie haben beide irgendwo recht. Natürlich ist es wichtig, die Lernenden so gut und so intensiv wie möglich auf das Examen vorzubereiten. Andererseits kann ich auch Ihren Ansatz voll greifen: Kaum sind unsere Azubis ausgelernt, werden sie aufgrund der Personalnot schnell von allen Pflegekunden, Angehörigen und Kollegen als vollwertige Fachkräfte angesehen und sollen alle dazugehörigen Aufgaben sicher beherrschen. Wissen sie dann z. B. nicht, wie eine Visite korrekt durchgeführt wird, was alles beim Medikamentenrichten zu beachten ist oder was bei einer Einweisung eines Pflegekunden ins Krankenhaus zu tun ist, ist das schlecht.
Ich rate Ihrem Kollegen und Ihnen deshalb, die Praxisanleitung im Vertiefungseinsatz vom Lernstand und den individuellen Kompetenzen des jeweiligen Auszubildenden abhängig zu machen: Ist der Lernende fit und engagiert, sollten Sie immer auch große Fachkraftthemen in die Praxisanleitung einbauen. Hat Ihr Lernender dagegen Schwierigkeiten mit dem Tempo und wird vermutlich gerade so die Abschlussprüfung schaffen, üben Sie diese schwerpunktmäßig mit ihm.
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