Inkontinenzrisiko

Die Einschätzung von Risikofaktoren und Anzeichen für eine Inkontinenz ist elementar

Das Erkennen von Risikofaktoren oder Anzeichen einer Inkontinenz ist elementar für die Gestaltung des Pflegeprozesses. Nur wenn Sie diese frühzeitig erkennen, können Sie gezielte präventive Maßnahmen ergreifen oder bestehende Maßnahmen […]

Annett Urban

12.08.2024 · 1 Min Lesezeit

Das Erkennen von Risikofaktoren oder Anzeichen einer Inkontinenz ist elementar für die Gestaltung des Pflegeprozesses. Nur wenn Sie diese frühzeitig erkennen, können Sie gezielte präventive Maßnahmen ergreifen oder bestehende Maßnahmen anpassen. Risi­kofaktoren für eine Harn- und/oder Stuhlinkontinenz können im Lebensstil Ihres betroffenen Pflegekunden oder in der Umgebung liegen, es kann sich aber auch um eine Folgestörung einer Erkrankung oder eine Nebenwirkung einer Therapie handeln.

Das ist Ihre Aufgabe

Ihre Aufgabe als Pflegefachkraft ist es, individuell zu beurteilen, ob und welche Risikofaktoren für eine Inkontinenz bei Ihrem Pflegekunden vorliegen. Folgende Risikofaktoren wurden in einer Literatur­studie von Experten identifiziert:  

Übersicht: Risikofaktoren Inkontinenz
Risikofaktoren für alle GeschlechterHarn-inkontinenzStuhl-inkontinenz
Lebensalterxx
Pflegebedürftigkeitxx
Kognitive Beeinträchtigungen, z. B. postoperatives bzw. posttraumatisches De­lir, Demenzxx
Körperliche Beeinträchtigungen in Bezug auf die Mobilität, die Fingerfertigkeit oder Störungen der Sinneswahrnehmungxx
Neurogene Erkrankungen/Veränderungen, z. B. Apoplex, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Rückenmarksverletzungen/-läsionen, Tumorexx
Veränderungen/Operation der Prostatax* 
Erkrankungen/Veränderungen des Darms, z. B. bei Tumorerkrankungen, Mor­bus Crohn, Colitis ulcerosa, Rektum-/Anusprolaps, Rektozele x
Erkrankungen der Blase, z. B. bei Tumorerkrankungen, Zystozelex 
Anomalien/Traumata/Operationen im Urogenitaltrakt, z. B. bei orthotroper Neo­blase, Geschlechtsangleichung, Genitalverstümmelung, Genitalbeschneidungxx
Anomalien/Traumata/Operationen im Bereich Rektum, Anus und Dammbereich, z. B. Hämorrhoiden, Fisteln, Analwarzen, höhergradige Geburtsverletzungenxx
Enterostomarückverlegung x
Nebenwirkungen/Beeinflussung der Organfunktion durch Medikamente Möglicher Einfluss auf die Harnkontinenz, z. B. Anticholinergika, Diuretika, Opio­ide, bzw. auf die Stuhlkontinenz, z. B. Opioide, Psychopharmakaxx
Obstipation, chronische Diarrhoe, z. B. durch bestimmte Medikamente wie Che­motherapeutika, Antibiotika, Opioidexx
Harnwegsinfektionenx 
Bestrahlungen im Beckenbereichxx
Belastung des Beckenbodens, z. B. infolge von Schwangerschaft/Entbindung, Lageveränderung/Vergrößerung des Uterus, Hysterektomie, Uterusprolaps oder chronischer Belastung, Adipositas, schweren körperlichen Arbeiten, chro­nischem Hustenxx**
Folgen sexualisierter Gewalt, z. B. infolge von Verletzungen im Beckenboden-/ Vaginalbereich, der Harnröhre, im Damm-/Analbereichxx
Folge von Sexualpraktikenxx
Pathologische Verhaltensweisen, z. B. langes Einhalten, häufige vorsorgende Toilettengängexx
Umgebungsfaktoren, z. B. schlechte räumliche Bedingungen, erschwerte Zu­gänglichkeit einer Toilette, fehlende Hilfsmittelxx
* Nur bei Männern ** Insbesondere bei Frauen
Vgl. Expertenstandard „Kontinenzförderung in der Pflege“, Aktualisierung 2024, S. 29 f.

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