Das Erkennen von Risikofaktoren oder Anzeichen einer Inkontinenz ist elementar für die Gestaltung des Pflegeprozesses. Nur wenn Sie diese frühzeitig erkennen, können Sie gezielte präventive Maßnahmen ergreifen oder bestehende Maßnahmen anpassen. Risikofaktoren für eine Harn- und/oder Stuhlinkontinenz können im Lebensstil Ihres betroffenen Pflegekunden oder in der Umgebung liegen, es kann sich aber auch um eine Folgestörung einer Erkrankung oder eine Nebenwirkung einer Therapie handeln.
Das ist Ihre Aufgabe
Ihre Aufgabe als Pflegefachkraft ist es, individuell zu beurteilen, ob und welche Risikofaktoren für eine Inkontinenz bei Ihrem Pflegekunden vorliegen. Folgende Risikofaktoren wurden in einer Literaturstudie von Experten identifiziert:
| Übersicht: Risikofaktoren Inkontinenz | ||
| Risikofaktoren für alle Geschlechter | Harn-inkontinenz | Stuhl-inkontinenz |
| Lebensalter | x | x |
| Pflegebedürftigkeit | x | x |
| Kognitive Beeinträchtigungen, z. B. postoperatives bzw. posttraumatisches Delir, Demenz | x | x |
| Körperliche Beeinträchtigungen in Bezug auf die Mobilität, die Fingerfertigkeit oder Störungen der Sinneswahrnehmung | x | x |
| Neurogene Erkrankungen/Veränderungen, z. B. Apoplex, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Rückenmarksverletzungen/-läsionen, Tumore | x | x |
| Veränderungen/Operation der Prostata | x* | |
| Erkrankungen/Veränderungen des Darms, z. B. bei Tumorerkrankungen, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Rektum-/Anusprolaps, Rektozele | x | |
| Erkrankungen der Blase, z. B. bei Tumorerkrankungen, Zystozele | x | |
| Anomalien/Traumata/Operationen im Urogenitaltrakt, z. B. bei orthotroper Neoblase, Geschlechtsangleichung, Genitalverstümmelung, Genitalbeschneidung | x | x |
| Anomalien/Traumata/Operationen im Bereich Rektum, Anus und Dammbereich, z. B. Hämorrhoiden, Fisteln, Analwarzen, höhergradige Geburtsverletzungen | x | x |
| Enterostomarückverlegung | x | |
| Nebenwirkungen/Beeinflussung der Organfunktion durch Medikamente Möglicher Einfluss auf die Harnkontinenz, z. B. Anticholinergika, Diuretika, Opioide, bzw. auf die Stuhlkontinenz, z. B. Opioide, Psychopharmaka | x | x |
| Obstipation, chronische Diarrhoe, z. B. durch bestimmte Medikamente wie Chemotherapeutika, Antibiotika, Opioide | x | x |
| Harnwegsinfektionen | x | |
| Bestrahlungen im Beckenbereich | x | x |
| Belastung des Beckenbodens, z. B. infolge von Schwangerschaft/Entbindung, Lageveränderung/Vergrößerung des Uterus, Hysterektomie, Uterusprolaps oder chronischer Belastung, Adipositas, schweren körperlichen Arbeiten, chronischem Husten | x | x** |
| Folgen sexualisierter Gewalt, z. B. infolge von Verletzungen im Beckenboden-/ Vaginalbereich, der Harnröhre, im Damm-/Analbereich | x | x |
| Folge von Sexualpraktiken | x | x |
| Pathologische Verhaltensweisen, z. B. langes Einhalten, häufige vorsorgende Toilettengänge | x | x |
| Umgebungsfaktoren, z. B. schlechte räumliche Bedingungen, erschwerte Zugänglichkeit einer Toilette, fehlende Hilfsmittel | x | x |
| * Nur bei Männern ** Insbesondere bei Frauen | ||
| Vgl. Expertenstandard „Kontinenzförderung in der Pflege“, Aktualisierung 2024, S. 29 f. | ||
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