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Expertenstandard Mundgesundheit: Risiken sicher im Blick

Der Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit ist zwar keineswegs neu in den Einrichtungen, aber das theoretische Wissen in den Teams „verwässert“ durch Personalwechsel, Zeitdruck und Alltagsroutine zusehends. Risiken und Symptome […]

Alessandra Calcagnile

10.08.2026 · 3 Min Lesezeit

Der Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit ist zwar keineswegs neu in den Einrichtungen, aber das theoretische Wissen in den Teams „verwässert“ durch Personalwechsel, Zeitdruck und Alltagsroutine zusehends.

Risiken und Symptome

Damit die Mundpflege Ihrer Pflegekunden im Alltag stimmig ist, müssen die Teams genau wissen, welche Risiken und Warnsignale es gibt. Schäden und Entzündungen entstehen dort nämlich fast nie isoliert, sondern sind das Resultat einer Kette von Einflüssen, die rechtzeitig unterbrochen werden muss. Die Risiken und Symptome, die jede Pflegekraft zwingend auf dem Schirm haben sollte, finden Sie in der Übersicht auf dieser Seite.

Übersicht: Die häufigsten Risikofaktoren bei Mundgesundheit

Risiko: unzureichende Mundhygiene Erläuterung: Gründe für eine unzureichende Mundhygiene können vielfältig sein und reichen von fehlendem Wissen über eingeschränkte Fähigkeiten bis hin zu erschwerten sozialen Lebensumständen. Wenn weiche Zahnbeläge (Plaque) nicht regelmäßig mechanisch durch gründliches Bürsten entfernt werden, mineralisieren sie zu Zahnstein. Das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) steigt. Bleibt ein Einschreiten aus, so kann es bis zum Verlust eigentlich gesunder Zähne kommen.
Risiko: Kauprobleme Erläuterung: Ob durch unvollständige Zahnreihen, schlechtsitzende und wackelnde Prothesen oder schmerzhafte Druckstellen unter der Prothesenbasis – wer nicht richtig kauen kann, meidet instinktiv feste Nahrung. Die Betroffenen steigen auf weiche, breiige Kost um, was den natürlichen Selbstreinigungseffekt durch das Kauen minimiert. Zudem steigen das Risiko für Mangelernährung und die Gefahr, sich an schlecht zerkleinerter Nahrung lebensgefährlich zu verschlucken (Aspiration).
Risiko: reduzierter Allgemeinzustand Erläuterung: Befindet sich ein Klient in einer akuten Krankheitsphase, schwinden die Kräfte für die persönliche Hygiene. In solchen Phasen konzentriert der Organismus alle Ressourcen auf die Vitalfunktionen, wodurch die Immunabwehr der Mundschleimhaut drastisch sinkt.
Risiko: höheres Lebensalter Erläuterung: Mit zunehmendem Alter verändert sich das Gewebe natürlicherweise. Das Zahnfleisch zieht sich zurück und legt die empfindlichen Zahnhälse frei, die nicht geschützt sind. Dies führt zu einer Anfälligkeit für Wurzelkaries. Gleichzeitig verliert die Mundschleimhaut ihre Elastizität, wird dünner und regeneriert sich nach kleinen Verletzungen (z. B. durch harte Brotkrusten) wesentlich langsamer.
Risiko: Rauchen Erläuterung: Rauchen verengt die Blutgefäße, weshalb das typische Warnsignal für Entzündungen – das Zahnfleischbluten – bei Rauchern oft völlig ausbleibt. Das Zahnfleisch wirkt blass und gesund, obwohl darunter bereits schwere bakterielle Zerstörungen stattfinden. Rauchen verändert das Mikrobiom im Mund und begünstigt bösartige Gewebeveränderungen.
Risiko: Nebenwirkungen von Medikamenten Erläuterung: Substanzen wie Antidepressiva, Antihypertensiva (Blutdrucksenker), Diuretika (Entwässerungsmittel) und Neuroleptika haben eine gravierende Gemeinsamkeit. Sie blockieren die Funktion der Speicheldrüsen und reduzieren den Speichelfluss drastisch, was die natürliche Schutzbarriere des Mundes negativ beeinträchtigt.
Risiko: Diabetes mellitus Erläuterung: Ein dauerhaft schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel führt zu einer höheren Glukosekonzentration im Speichel, was ein idealer Nährboden für aggressive Bakterien und Pilze ist. Umgekehrt streuen chronische Entzündungen im Mundraum (wie eine Parodontitis) Entzündungsbotenstoffe in den gesamten Körper, was die Insulinresistenz der Zellen erhöht und die Blutzuckereinstellung erschwert.
Risiko: Mundtrockenheit Erläuterung: Ein trockener Mund verursacht Probleme beim Kauen oder beim Schlucken, kann zu Mundgeruch führen, den Geschmackssinn stören sowie langfristig die Infektanfälligkeit und das Risiko für Karies erhöhen. Es können sich schmerzhafte Verkrustungen (Borken) bilden oder auch ein schmerzhafter Mundpilz, der sich als klebriger, weißer Belag zeigt.
Risiko: Mundgeruch Erläuterung: Mundgeruch wird oft fälschlicherweise auf den Magen geschoben. Fakt ist jedoch, dass über 90 % der Ursachen direkt in der Mundhöhle liegen. Häufige Quellen sind tiefe, ungepflegte Zahnfleischtaschen, dicke Beläge auf dem hinteren Zungenrücken oder gärende Speisereste unter schlecht gereinigten Prothesen.
Risiko: Knirschen und/oder Pressen mit den Zähnen Erläuterung: Andauerndes Knirschen und Pressen können zum Abrieb der Zahnsubstanz und schmerzhaften Verspannungen der Kaumuskulatur führen. Im schlimmsten Fall lockern sich dadurch gesunde Zähne oder der Zahnersatz bricht irreparabel.

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