Sympathien entstehen im Führungsalltag fast automatisch und beeinflussen Entscheidungen oft stärker, als Ihnen bewusst ist. Fair zu führen, bedeutet, Nähe und Distanz bewusst auszubalancieren und allen Mitarbeitern mit gleicher Aufmerksamkeit zu begegnen. Eine klare Selbstreflexion unterstützt Sie dabei, unbewusste Muster zu erkennen.
Hand aufs Herz: Kennen Sie diese Situation? Pflegefachkraft Lisa kommt ins Stationszimmer. Sie ist fachlich top, immer gut gelaunt und Ihre absolute Stütze im Frühdienst. Sie fragt: „Du, kann ich am Samstag spontan freihaben? Mein Bruder feiert Geburtstag.“ Ihr 1. Impuls sind ein Lächeln und der Gedanke: „Klar, die Lisa reißt sich sonst immer ein Bein aus, das mache ich möglich.“ Sie schieben Dienste, telefonieren herum und genehmigen den Wunsch.
2 Stunden später kommt Pflegehelfer Ralf. Er ist oft nörgelig, arbeitet eher langsam und hat letzte Woche schon wieder die Dokumentation vergessen. Er fragt exakt dasselbe: „Kann ich Samstag freihaben?“ Spüren Sie den Unterschied? Plötzlich springt Ihr innerer Widerstand an. Der Gedanke ist nicht mehr: „Wie mache ich das möglich?“, sondern: „Eigentlich geht das nicht. Der Dienstplan steht. Und verdient hat er es auch nicht wirklich.“
Das Problem: Objektiv betrachtet haben beide Mitarbeiter dasselbe Anliegen zur selben Zeit. Doch Ihre Entscheidung basiert in diesem Moment nicht auf der Ressource („Ist Ersatz da?“), sondern auf der Beziehung („Mag ich dich?“). Wenn Sympathie zur Währung für Privilegien wird, beginnt die Spaltung Ihres Teams. Mitarbeiter haben sehr feine Antennen dafür, ob Entscheidungen auf Fakten oder auf Zuneigung basieren.
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