Pflegekunden: Rechte, Aufklärung & Vollmachten

Häusliche Gewalt gegen Pflegebedürftige: hinsehen und helfen

Gewalt in der Pflege ist nach wie vor ein Tabuthema. Dennoch kommt sie tagtäglich vor. Nicht nur in Pflegeeinrichtungen. Auch Pflegebedürftige, die zu Hause gepflegt werden, werden Opfer von Gewalt. […]

Judith Barth

13.09.2024 · 2 Min Lesezeit

Gewalt in der Pflege ist nach wie vor ein Tabuthema. Dennoch kommt sie tagtäglich vor. Nicht nur in Pflegeeinrichtungen. Auch Pflegebedürftige, die zu Hause gepflegt werden, werden Opfer von Gewalt. Diese geht häufig von den pflegenden Angehörigen aus. Wenn Ihre Mitarbeiter Hinweise haben, dass Pflegebedürftige häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, ist guter Rat teuer. Um Ihr Team zu unterstützen, sollten Sie ihm den folgenden Handlungsleitfaden zur Verfügung stellen.

Handlungsleitfaden: Vorgehen bei Verdacht auf häusliche Gewalt gegen Pflegebedürftige
HandlungsschritteKonkrete Umsetzung durch die Pflegemitarbeiter
Genau hinsehenSehen Sie genau hin und nehmen Sie Hinweise auf häusliche Gewalt ernst, z. B. Hämatome an Stellen, wo man sich normalerweise nicht stößt, Schreckhaftigkeit oder Abwehrhaltung bei plötzlichen Annäherungen, Anzeichen für Vernachlässigung, ängstliches oder autoaggressives Verhalten von Pflegebedürftigen, „Unfälle“ mit falsch eingenommenen Medikamenten. Jeder Mitarbeiter, auch Hauswirtschaftskräfte, ist zuständig.
EingreifenWerden Sie Zeuge von häuslicher Gewalt gegen Pflegebedürftige, greifen Sie zum Schutz des Betroffenen ein und beenden Sie, wenn möglich, den Übergriff. Hierbei müssen Sie sich nicht selbst in Gefahr bringen. In Extremfällen rufen Sie die Polizei. Beachten Sie: Gewalt bedeutet nicht nur körperliche Übergriffe. Auch psychische Übergriffe, z. B. Beleidigungen und Erniedrigungen, können Gewalt sein.
DokumentierenDokumentieren Sie sorgfältig Ihre Hinweise auf häusliche Gewalt. Bitte mit Datum, Uhrzeit und einer genauen Beschreibung des Vorfalls oder des Verdachtsmoments.
PDL informierenMachen Sie Hinweise auf häusliche Gewalt bei Pflegebedürftigen nicht mit sich selbst aus. Damit sind Sie überfordert. Informieren Sie umgehend die PDL. Besprechen Sie mit Ihr, was Ihnen aufgefallen ist, und überlegen Sie, wie weiter vorzugehen ist.
Gespräch suchenPflegende Angehörige sind oft mit der häuslichen Situation überfordert. Bei Hinweisen auf häusliche Gewalt sollte daher – außer in Fällen, in denen der Pflegebedürftige akut an Leib und Leben gefährdet ist und sich nicht selbst helfen kann – zunächst das Gespräch mit den pflegenden Angehörigen gesucht werden. Überlegen Sie im Team, wer dieses Gespräch führt. Sinnvoll ist es, wenn die PDL und die Pflegefachkraft, die den „besten Draht“ zu den Angehörigen hat, dieses Gespräch führen.
Hilfe anbietenBieten Sie Hilfe an, z. B. Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege, um den pflegenden Angehörigen Zeit für Entlastung und Erholung von der häufig extrem belastenden häuslichen Situation zu geben. Sinnvoll kann es auch sein, die Leistungen des ambulanten Pflegedienstes auszuweiten, wenn die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft sind.

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