Eine Fallbesprechung erfordert eine klare Struktur. Mit diesen Schritten gelingt Ihnen eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit dem konkreten Fall:
- Einleitung und Faktenpräsentation. Zu Beginn führt die Moderation durch die Fallbesprechung. Sie stellt die relevanten Informationen des Falls ohne jede Wertung vor. Das Ziel ist, eine gemeinsame Wissensgrundlage für alle Teilnehmenden zu schaffen. Wer ist betroffen? Was ist geschehen? Welche medizinischen, sozialen oder rechtlichen Details sind relevant?
- Herausarbeiten des ethischen Konflikts. In dieser Phase wird der Kern der Fragestellung freigelegt und gemeinsam formuliert.
- Standpunkte sammeln. Alle Beteiligten, von der Pflegefachkraft bis zu Angehörigen, bringen ihre Sichtweise ein. Jede Perspektive zählt und wird mit gleichem Gewicht behandelt. Es geht um das Verstehen der unterschiedlichen Sichtweisen.
- Analyse und Lösungsoptionen. Mit den gesammelten Fakten und Perspektiven arbeiten die Teilnehmenden verschiedene Handlungsoptionen heraus. Es wird geprüft, welche Option am besten mit ethischen Prinzipien wie Autonomie, Gerechtigkeit und Fürsorge übereinstimmt. Die potenziellen Konsequenzen jeder Option werden transparent, ehrlich und offen auf den Tisch gelegt.
- Empfehlung und Entscheidungsfindung. Die Teilnehmenden einigen sich auf die Option, die aus ethischer Sicht am fundiertesten erscheint. Diese Empfehlung wird klar begründet. Falls die Situation weiterhin unklar bleibt, kann es manchmal hilfreich sein, eine außenstehende Person mit spezifischem Fachwissen hinzuzuziehen.
- Nachbereitung. Die getroffene Empfehlung wird als konkrete Maßnahme in die Tat umgesetzt. Ein Follow-upTermin sollte vereinbart werden, um die Wirksamkeit zu überprüfen.
Dieser Protokollvordruck zeigt die wichtigsten Punkte der ethischen Fallbesprechung.
| Protokoll ethische Fallbesprechung (Auszug) | |
| Name des Pflegekunden: Moderation: Teilnehmende: | |
| Fragestellung | Antwort |
| 1. Problembenennung | |
| Was ist der Anlass für das Gespräch? Welche Frage soll durch die Fallbesprechung beantwortet werden? | |
| 2. Medizinische Aspekte | |
| Welche Diagnosen/medizinische Vorgeschichte sind/ist bekannt? | |
| Welche Maßnahmen sind möglich/geplant? | |
| Wie könnte die Prognose ohne die Maßnahmen lauten? | |
| Könnten die Maßnahmen schaden? | |
| Welche positiven oder negativen Auswirkungen sind zu erwarten? | |
| 3. Pflegerische Gesichtspunkte | |
| Wie sieht die pflegerische Situation des Pflegekunden aus? Welche Ressourcen gibt es? | |
| Gibt es aktuell besondere pflegerische Probleme? | |
| 4. Psychosoziale und spirituelle Aspekte | |
| Was ist über die psychische Befindlichkeit des Pflegekunden bekannt? | |
| Welche religiösen und weltanschaulichen Einstellungen sind bekannt? | |
| Möchte der Pflegekunde seelsorgerlich betreut werden? | |
| Welche Erwartungen hat der Pflegekunde? | |
| Welche Erwartungen haben seine Angehörigen? | |
| 5. Selbstbestimmung | |
| Ist der Pflegekunde einwilligungsfähig? | |
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