Leserfragen

„Kritik vom Arzt“

Frage: „Ich leite eine Station mit einem engagierten Team. Neulich kam es während einer ärztlichen Visite zu einer sehr unangenehmen Situation: Ein Arzt kritisierte eine Pflegekraft in scharfem Ton, direkt […]

Lydia Lebelt

24.07.2025 · 1 Min Lesezeit

Frage: „Ich leite eine Station mit einem engagierten Team. Neulich kam es während einer ärztlichen Visite zu einer sehr unangenehmen Situation: Ein Arzt kritisierte eine Pflegekraft in scharfem Ton, direkt vor dem Bewohner. Die Kollegin war danach sichtlich getroffen, auch der Bewohner wirkte irritiert. Ich habe die Situation nicht sofort unterbrochen, weil ich nicht noch mehr Unruhe stiften wollte. Was hätte ich tun können und wie kann ich mein Team künftig besser schützen?“ (Maik K., Hessen)

Antwort: Kritik vor Dritten, ob Bewohner, Angehörige oder andere Berufsgruppen, ist immer problematisch und verletzt die professionelle Zusammenarbeit. Als Leitungskraft sind Sie in solchen Momenten gefordert, Haltung zu zeigen, ohne die Situation eskalieren zu lassen. Eine ruhige Unterbrechung wie: „Ich schlage vor, wir setzen das Gespräch gleich im Dienstzimmer fort“, reicht oft schon, um die Situation zu entschärfen und der Pflegekraft den nötigen Rückhalt zu geben. Wichtig ist dabei nicht der Tonfall, sondern die Klarheit: Sie signalisieren Grenzen, ohne öffentlich zu konfrontieren.

Im Nachgang sollten Sie mit dem betroffenen Teammitglied ein kurzes Gespräch führen, um den Vorfall einzuordnen und Unterstützung anzubieten. Hier zählt vor allem das Gefühl, nicht alleingelassen worden zu sein – das stärkt das Vertrauen in Ihre Führungsrolle.

Ebenso wichtig ist ein klärender Austausch mit dem Arzt – möglichst sachlich und lösungsorientiert, aber mit einer klaren Botschaft: Der respektvolle Umgang auf Augenhöhe ist nicht nur eine Option, sondern die Voraussetzung für gute Zusammenarbeit. Wenn solche Situationen häufiger auftreten, kann auch eine übergreifende Gesprächsrunde mit ärztlichen und pflegerischen Beteiligten sinnvoll sein, etwa im Rahmen einer Fallbesprechung oder eines interprofessionellen Austausches. Ziel ist es, gegenseitige Erwartungen transparent zu machen und gemeinsame Kommunikationsstandards zu entwickeln. So entsteht ein Miteinander, das auch in stressigen Momenten tragfähig bleibt. Gerade in interdisziplinären Settings sind Sie als Leitung auch Schutzinstanz – nicht laut, aber deutlich.

Testen Sie jetzt „Stationäre Pflege aktuell“ und profitieren Sie von einer maßgeschneiderte Unterstützung für PDLs im Alten- und Pflegeheim!

Jede Ausgabe bietet Ihnen aktuelle Informationen direkt aus der Praxis und rechtssichere Tipps für Ihre Leitungsaufgaben. Qualität und Sicherheit für Ihre Leitungs-Praxis im Alten- und Pflegeheim, die Ihnen den Berufsalltag als Pflegedienstleitung erleichtert!