Einzelbetreuung mit Konzept

Männerangebote gezielt entwickeln: Warum Betreuung mehr braucht als Basteln, Backen und Serviettenfalten

In vielen stationären Einrichtungen und Tagespflegen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Betreuungsangebote sind liebevoll vorbereitet, werden regelmäßig durchgeführt und sind grundsätzlich gut gemeint. Es wird gebacken, gekocht, jahreszeitlich dekoriert, […]

Annika Kron

27.07.2026 · 7 Min Lesezeit

In vielen stationären Einrichtungen und Tagespflegen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Betreuungsangebote sind liebevoll vorbereitet, werden regelmäßig durchgeführt und sind grundsätzlich gut gemeint. Es wird gebacken, gekocht, jahreszeitlich dekoriert, gebastelt, gesungen oder gemeinsam der Tisch geschmückt. Viele Bewohnerinnen fühlen sich davon angesprochen, weil diese Tätigkeiten an frühere Alltagsrollen anknüpfen. Sie erinnern an Haushalt, Familie, Kinder, Feste und vertraute Aufgaben. Für viele Männer trifft das jedoch nur teilweise zu.

Natürlich gibt es Männer, die gern kochen, backen, Blumen arrangieren oder kreativ gestalten. Ebenso gibt es Frauen, die sich für Werkzeug, Fußball, Technik, Politik oder Autos begeistern. Männerangebote dürfen deshalb niemals bedeuten: „Alle Männer mögen nur Handwerk, Bier und Fußball.“ Eine solche Sichtweise wäre zu kurz gedacht. Trotzdem lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Betreuungsalltag: Viele klassische Angebote in Einrichtungen sind historisch eher an weiblich geprägten Lebenswelten orientiert. Männer finden sich darin nicht immer wieder. Manche nehmen teil, weil sie nicht allein sein möchten. Andere bleiben weg, weil sie keinen Sinn für sich erkennen. Wieder andere ziehen sich zurück, wirken desinteressiert, mürrisch oder schwer erreichbar. Gezielt entwickelte Männerangebote können hier eine wichtige Brücke bauen. Sie holen Männer nicht über Klischees ab, sondern über Biografie, Selbstwert, frühere Rollen, Interessen und das Bedürfnis, gebraucht zu werden.

Männer in der Betreuung: Erst die Biografie, dann das Angebot

Wer Männerangebote entwickeln möchte, sollte nicht mit der Frage beginnen: „Was machen Männer gern?“ Besser ist die Frage:„Was hat dieser Mann früher gern getan, wofür wurde er gebraucht und worauf war er stolz?“ Viele heute älteren Männer sind in einer Zeit aufgewachsen, in der männliche Identität stark von Arbeit, Verantwortung, körperlicher Leistungsfähigkeit und Versorgungsrollen geprägt war. Sie waren Handwerker, Kraftfahrer, Landwirte, Kaufleute, Beamte, Soldaten, Schlosser, Elektriker, Lehrer, Ingenieure oder Arbeiter in der Industrie. Viele waren Familienväter, Vereinsmitglieder, Nachbarn, Stammtischbrüder, Heimwerker, Gartenbesitzer, Kegler, Angler, Fußballspieler oder Feuerwehrmänner. Im Alter, bei Pflegebedürftigkeit oder nach dem Einzug in eine Einrichtung gehen viele dieser Rollen verloren. Der Beruf ist vorbei, der Garten gehört jemand anderem, das Auto wurde verkauft, die Werkstatt aufgelöst, der Stammtisch findet ohne einen statt. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von anderen.

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