Die meisten Fehler entstehen, weil mehrere Ursachen begünstigend aufeinandertreffen. Wenn Sie diese 12 Hauptursachen für Fehler oder kritische Ereignisse kennen, können Sie gezielt den Hebel ansetzen und die Fehlerkultur verbessern. Nutzen Sie die Tipps.
- Sorgen Sie für ausreichend Kommunikation. Wenn Mitarbeitende sich nicht informiert fühlen oder es gar sind oder aber nicht miteinander sprechen, passieren Fehler. Überprüfen Sie daher Ihre Besprechungsstrukturen. Sorgen Sie für geregelte Übergaben und Teamsitzungen. Die Pandemie hatte gezeigt, dass gerade diese Maßnahmen Mitarbeitenden sehr gefehlt haben und sie dadurch unzufriedener wurden. Das macht die Arbeit störanfällig.
- Fördern Sie die Teamarbeit. Wenn das Team nicht gut zusammenwirkt, haben Fehler einen wunderbaren Nährboden. Sorgen Sie für Gemeinsamkeit, und wenn es nur geregelte Pausen sind. Bieten Sie bei sich anbahnenden Konflikten Coaching und/oder Supervision oder auch Einzelgespräche an. Fragen Sie die Mitarbeitenden, wie sie die Teamarbeit wieder verbessern möchten.
- Decken Sie geheime Regeln auf. Eine geheime Regel kann sein: „Über Fehler wird nicht geredet. Denn eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Sprechen Sie Tabus an, gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Tolerieren Sie kein „Gemauschel“ und kommunizieren Sie auch über Ihre eigenen Fehler offen.
- Wirken Sie der Angst entgegen. Angst und Druck bewirken das Gegenteil einer offenen Fehlerkultur, nämlich ein Vertuschen. Nutzen Sie die Möglichkeit, mit Ihrer Leitung zu sprechen und ihr aufzuzeigen, wie wichtig ihre Vorbildfunktion für eine positive Fehlerkultur ist.
- Verteilen Sie Aufgaben so, dass sie zu den Mitarbeitenden passen. Überforderung und zu schwere Aufgaben führen zu Fehlern. Regeln Sie daher über Aufgabenbeschreibungen und Delegation klar, wer was zu machen hat, und auch, welche Grenzen es gibt.
- Sorgen Sie für aktuelles Wissen. Wenn das Fachwissen veraltet ist oder nicht ausreicht, um sachgerecht zu arbeiten, müssen Sie schulen und fortbilden. Flankierend können Sie Pflegevisiten und Einzelcoachings nutzen, um Mitarbeitende zu unterstützen und das fachliche Wissen zu stärken.
- Flüchtigkeitsfehlern können Sie nur mit Ruhe begegnen. Mitarbeitende sind nicht aufmerksam bei ihrer Arbeit und machen vielleicht Flüchtigkeitsfehler. Hier können Sie in der Regel nur bedingt etwas ausrichten. Wenn die/der Mitarbeitende abgelenkt ist, weil sie/er private Sorgen hat, kompensiert ein gutes Team dies, indem sie/er nicht die kniffeligsten Aufgaben erledigen muss. Ansonsten können Sie nur für Ruhe sorgen, z. B. beim Stellen von Medikamenten.
- Sorgen Sie für ausreichende Ressourcen. Personal- und Zeitmangel können ebenfalls zu Fehlern führen. Dies können Sie auch nur bedingt beeinflussen. Projekte und Maßnahmen zur Akquise und zur Gestaltung gerechter Dienstpläne können helfen – allerdings wird es auch Zeit, dass uns die Politik beim Fachkräftemangel unter die Arme greift. Beeinflussen können Sie die Ressource der Arbeitsmittel. Überprüfen Sie durch Audits, ob alles zur Verfügung steht und funktioniert. Auch damit reduzieren Sie Fehler und fördern das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeitenden.
- Ablenkende Faktoren können Sie beeinflussen. Dauernde Angehörigengespräche, immerzu ein klingelndes Telefon und dann auch noch die Leitung, die dauernd etwas von der Fachkraft will. Das hält selbst erfahrene Mitarbeitende oft von fehlerfreier Arbeit ab. Auch hier können Sie versuchen, die Arbeitsabläufe ruhig zu gestalten. Das ist natürlich nicht durchgängig möglich. Aber bei bestimmten fehleranfälligen Abläufen, wie dem Stellen von Medikamenten, können Sie einen separaten ruhigen Raum und eine Regelung für die Annahme von Telefonaten schaffen.
- Stärken Sie Mitarbeitenden den Rücken. Haben Sie auch die Leute in Ihren Teams, die sich nicht durchsetzen können, keine Grenzen ziehen und alles übernehmen, z. B. unter dem Druck durch Hausärzte oder Angehörige? Obwohl sie vielleicht schon Feierabend haben, übermüdet sind, die Aufgabe gar nicht ihre ist? Nutzen Sie Mitarbeitendengespräche, um über Ressourcen und Kompetenzen, jedoch auch über Entwicklungsbedarf zu sprechen. Bieten Sie gegebenenfalls Coaching an. Und unterstützen Sie die Mitarbeitenden im Umgang mit fordernden Angehörigen und/oder Hausärzten.
- Sorgen Sie für Pausen. Übermüdung ist ein häufiger Grund für Fehler. Pausen und ein geregeltes Frei sind die wichtigste Maßnahmen, um diesem Faktor zu begegnen. Überprüfen Sie daher die Dienstplanung. Auch ein schön gestalteter Pausenraum als Rückzugsmöglichkeit hilft weiter und ist außerdem Bestandteil eines guten Arbeitsund Gesundheitsschutzes.
- Reduzieren Sie Arbeitsspitzen. Stress und Zeitdruck können Sie nur bedingt etwas entgegensetzen. Helfen kann, Arbeitsspitzen durch eine geschickte Dienstplangestaltung zu reduzieren. Der persönliche Umgang mit Stress und Zeitdruck ist individuell und kann gelernt und geübt werden. Bieten Sie dazu Seminare an.
Mein Fazit
Wenn Sie noch einmal an die Seite 2 und an die Schritte eines gut geregelten Fehlerprozesses denken, haben wir diese in dieser Ausgabe alle durchlaufen. Gestalten Sie auf dieser Grundlage einen klar geregelten Umgang mit Fehlern – Ihre Pflegekunden und auch Ihre Mitarbeitenden werden davon profitieren.
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