Azubis anleiten und führen

Mit diesen 5 Maßnahmen fangen Sie Auszubildende mit psychischen Problemen auf

„Wir beobachten seit 2–3 Jahren eine extreme Zunahme von Auszubildenden mit psychischen Störungen. Ritzen [Selbstverletzung, Anm. d. Red.], mangelnde bis keine Belastbarkeit mehr, Traurigkeit und Depressionen sind mittlerweile in jeder […]

Nicole Ott

23.04.2025 · 7 Min Lesezeit

„Wir beobachten seit 2–3 Jahren eine extreme Zunahme von Auszubildenden mit psychischen Störungen. Ritzen [Selbstverletzung, Anm. d. Red.], mangelnde bis keine Belastbarkeit mehr, Traurigkeit und Depressionen sind mittlerweile in jeder unserer Klassen zu finden. Letzten Montag hat z. B. eine Auszubildende meinen Unterricht verlassen. Als sie vom vermeintlichen Toilettengang zurückkam, habe ich gesehen, dass sie Blut an den Händen und Armen hatte! Zum Glück war die Stunde eh fast vorbei und ich konnte sie danach ansprechen. Ja, sie sei auf der Toilette gewesen und habe sich ein bisschen geritzt, weil ihr gerade alles zu viel sei. Ich frage mich, wie so jemand eine fordernde 3-jährige Ausbildung durchhalten und später als Fachkraft arbeiten will. Wir besprechen das Thema nächste Woche im Kollegium“, hat mir gestern eine Lehrkraft einer Pflegefachschule erzählt.

Haben Sie in letzter Zeit ähnliche Erfahrungen gemacht? Betreuen Sie Auszubildende, bei denen offensichtlich ist, dass es ihnen nicht gut geht, oder bei denen Sie es vermuten? Und haben Sie sich dann auch schon öfters gefragt, welche Hilfsangebote Sie als Praxisanleiter konkret machen können? Im Artikel stelle ich Ihnen 5 Möglichkeiten vor, die Sie im Arbeitsalltag umsetzen können.

Überforderung und Stress bei den Jugendlichen

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen waren zu Beginn der Coronapandemie 2020 erheblich beeinträchtigt, verbesserten sich in den Folgejahren wieder – blieben aber bis Herbst 2024 unter den Werten von vor der Pandemie. Rund 400.000 der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (5 %) geht es nach den Ergebnissen der COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf schlechter als vor der Pandemie. Das wurde Anfang Dezember 2024 bei einer Pressekonferenz deutlich, wie das Ärzteblatt berichtete. Im Alltag erleben viele unsere jungen Auszubildenden Ängste: Eine immer instabilere Welt mit Kriegen, Krisen und vielerorts die Auflösung traditioneller Familienstrukturen (die früher privaten Halt und Sicherheit gegeben haben), dazu noch der Stress einer Ausbildung und der Personalmangel mit allen negativen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen – ich frage mich manchmal, ob ich selbst mit diesem Hintergrund meine Ausbildung geschafft hätte.

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