Wenn ein Bewohner durch eine Pflegekraft versorgt wird, ist das eine sehr persönliche Angelegenheit, die mit einer großen Verantwortung einhergeht. Schließlich ist die Pflegekraft in den intimsten Lebensbereich eines Bewohners einbezogen.
Denn selbst wenn ein Vertrauensverhältnis zwischen Bewohner und Mitarbeiter besteht, können dennoch Hemmungen und Schamgefühle bestehen. Diese Gefühle sind grundsätzlich hilfreich, da sie sicherstellen, dass die Regeln im Umgang miteinander eingehalten und die gegenseitigen Grenzen respektiert werden. Dennoch können Schamgefühle sowohl für den Bewohner als auch für Ihren Mitarbeiter belastend sein. Gerade junge Mitarbeiter, die vielleicht in einem Freiwilligen Sozialen Jahr, im Praktikum oder auch in der Ausbildung sind, sind hier oft unerfahren und unsicher, wie sie mit dieser Situation und auch den Gefühlen umgehen sollen. Dazu kommt, dass wir in der Pflege zwischenzeitlich mit multikulturellen Teams arbeiten. Da die Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern und Kulturen kommen, in denen z. B. auch Nacktheit ein absolutes Tabuthema ist, ist auch hierauf von Ihnen ein besonderes Augenmaß zu legen. Denn gerade für diese Mitarbeiter werden solche Situationen womöglich sehr unangenehm sein.
WIE ENTSTEHT SCHAM?
Schamgefühle entstehen dann, wenn sich eine Person herabgewürdigt, in Verlegenheit gebracht, missverstanden oder bei etwas ertappt fühlt. Scham ist dabei ein Gefühl, das von den meisten Menschen als unangenehm empfunden wird. Immer dann, wenn die Grenzen der Intimsphäre überschritten werden, z. B., weil man sich während der Pflege nackt zeigen muss oder andere Personen sehr persönliche Dinge erfahren, kann dies Schamgefühle auslösen. In der Regel stehen Schamgefühle in Zusammenhang mit den sogenannten Tabuthemen. Dazu gehören in unserem Kulturkreis z. B. die Bereiche der Körperpflege oder Ausscheidungen: Diese Themen werden als sehr intim betrachtet, und demzufolge „spricht man nicht darüber.“
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