Pflege- und hilfebedürftige Menschen erfahren in ihrem Leben immer wieder Verluste und Einschränkungen. Umso wichtiger ist es, dass sie resilient auf diese Veränderungen in ihrem Leben reagieren können. Nutzen Sie die Tipps und Anregungen in diesem Artikel, um die Resilienz Ihrer Pflegekunden zu erhalten oder sogar zu fördern.
Eines der grundlegendsten Bedürfnisse eines Menschen ist es, selbstwirksam zu sein. Das bedeutet, dass die Person die Möglichkeiten und Fähigkeiten hat, selbst Probleme zu lösen, eigene Entscheidungen zu treffen und diese auch umzusetzen. Kinder wollen selbstständig werden, genauso wie die Erwachsenen. Als Erwachsener ist kaum etwas so unheimlich, wie unselbstständig zu werden, also nicht mehr selbstwirksam zu leben. Wenn Personen pflegebedürftig werden, passiert genau das: Sie verlieren ihre Selbstwirksamkeit und sind jetzt abhängig von anderen.
| Die 4 wichtigsten Schutzfaktoren bei pflegebedürftigen Menschen | |||
| Die 4 wichtigsten Schutzfaktoren bei pflegebedürftigen Menschen | Tipps für den Umgang | ||
| 1. Soziale Unterstützung/soziales Netzwerk | |||
| Pflegebedürftige Menschen sind auf ihre Mitmenschen angewiesen. Dadurch erleben sie z. B. erlernte Hilflosigkeit und/oder empfinden Wut und Frust, die sie an den helfenden oder bevormundenden Menschen auslassen. | Gerade pflegebedürftige Menschen brauchen positive Kontakte zu ihren Freunden, Familie, Nachbarn sowie zu Mitbewohnern und natürlich den Mitarbeitenden der Einrichtung. Hierbei ist ein wichtiger Faktor, die Personen und ihre Erfahrungen ernst zu nehmen und eine offene Kommunikation mit ihnen zu führen. | ||
| 2. Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit | |||
| Pflegebedürftige Menschen lernen im Alltag immer wieder, was sie alles nicht mehr können, weil das hohe Alter und/oder Erkrankungen sie daran hindern. Nichts mehr tun und entscheiden zu können, führt dabei zu Wut, Verzweiflung oder Aufgabe ihrer selbst. | Die Betroffenen haben zuvor ihr ganzes Leben allein geführt und waren in ihren Familien häufig diejenigen, die um Hilfe gebeten wurden. Deswegen ist es absolut notwendig, dass sie Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit dort erleben, wo es noch möglich ist. Das gilt auch für kleine Alltagshandlungen wie einen Einkauf oder die Auswahl der eigenen Kleidung. Sie müssen zudem neue Problemlösefähigkeiten und Stressbewältigungsstrategien entwickeln, um sich sicher zu fühlen und ihr Leben aktiv (mit-)gestalten zu können. | ||
| 3. Eine positive Lebenseinstellung und Akzeptanz der jetzigen Situation | |||
| Durch ihre Erkrankungen, erlebte Einschränkungen und auch den Verlust geliebter Menschen sind viele betroffene Personen psychisch angeschlagen. Dazu kommt eine erhöhte Gefahr der Altersdepression durch den Verlust von Schutzfaktoren und Freiheiten. | Für eine positive Lebenseinstellung auch in ihrer hilfsbedürftigen Situation brauchen die Menschen meist erst Akzeptanz für ihre Situation. Dafür benötigt es häufig Trauerund Verarbeitungszeit der Veränderung in ihrem Leben und ihrer Verluste. Erst im Anschluss können die meisten Pflegebedürftigen wieder eine positive Lebenseinstellung mit Fokus auf ihren jetzigen Möglichkeiten gewinnen. Diese positive Lebenseinstellung hilft ihnen dann, sich an Veränderungen anzupassen und eine (neue) Sinnhaftigkeit für sich zu finden. | ||
| 4. Sinnhaftigkeit und ein positives Selbstbild | |||
| Aufgrund der oben beschriebenen Verluste und Einschränkungen verlieren die Pflegebedürftigen ihre bisherigen Aufgaben, Hobbys und teilweise auch ihre Bezugspersonen. Das führt zu einem Zweifel an der eigenen Sinnhaftigkeit und zu einem negativen, hilflosen Selbstbild, das sich in eine Depression weiterentwickeln kann. Ein Mensch, der sich selbst als sinnlos erlebt, wird nicht mehr für sich kämpfen, ganz besonders, wenn ihm durch Überfürsorge Hilflosigkeit beigebracht wurde. | Menschen müssen sich als sinnvoll und nützlich erleben. Sie brauchen Aufgaben und Kontakte zu anderen. Deswegen sind Angebote der Sozialen Betreuung nicht nur „Spiel und Spaß“, sondern die Erfüllung eines existenziellen menschlichen Bedürfnisses und ermöglichen es, dass die Personen wieder Aufgaben haben, sich ein positives Selbstbild erarbeiten und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Hier können sie sich gezielt gegenseitig unterstützen und gemeinsam etwas schaffen, das ihnen wieder Sinnhaftigkeit und ein positives Selbstbild ermöglicht. | ||
WAS SIND DIE SCHUTZFAKTOREN
Die Schutzfaktoren sind natürlich die gleichen, die auch im Artikel auf Seite 6–7 beschrieben wurden. Durch die Pflegebedürftigkeit, also ihre Angewiesenheit auf Hilfe und Unterstützung, besteht bei Ihren Pflegekunden aber eine andere Gewichtung der Schutzfaktoren.
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