Beispiel 1: „Im 2. Schulblock ist mir aufgefallen, dass unsere Auszubildende Milena ganz häufig die Toilette aufgesucht hat. Als ich sie unter 4 Augen angesprochen habe, hat sie mir nach einigem Hin und Her ihre Hände gezeigt, und deren Zustand hat mich wirklich schockiert: Sie waren extrem rau und teilweise war die Haut sogar eingerissen. Milena hat mir dann gestanden, dass sie eine Art Waschzwang entwickelt hat. Sie meinte, sie habe immer den Eindruck, dass ihre Hände dreckig wären, würde sich ekeln und müsste die Hände dauernd waschen und schrubben. Den 1. Umgang mit Körperausscheidungen am Praxisort hat sie überhaupt nicht gut verkraftet.“ hat mir letzten Freitag die Lehrkraft einer Pflegefachschule erzählt.
Beispiel 2: „Meinem neuen Auszubildenden Karim fällt es sichtlich schwer, Frauen grundpflegerisch zu versorgen. Maximal kann ich ihn zu Hilfestellungen am Waschbecken schicken, aber bei allem anderen sagt er, dass er sich schämt. Er ist ein ganz Lieber und kommt bei den Pflegekunden super an, aber ich weiß mir keinen Rat mehr. Er hat mich nun sogar gefragt, ob er nicht einfach immer nur die Männer versorgen kann. Das geht aber nicht! Wir haben nicht so viele männliche zu Pflegende, die wir im zuteilen können, und außerdem muss er als zukünftige Fachkraft natürlich auch in der Lage sein, Frauen zu versorgen!“ hat mir eine Praxisanleiterin am Mittwoch erzählt.
Beide Situationen sind gute Beispiele für die beiden Gefühle, mit denen unsere Auszubildenden gerade am Beginn der Ausbildung am häufigsten und intensivsten konfrontiert werden: Ekel und Scham.
- Wie gehe ich damit um, auf einmal einen anderen Menschen nackt zu sehen?
- Ihm dann auch noch in einer hilfebedürftigen Lage beistehen, und die Verantwortung übernehmen sollen?
- Wie reagiere ich auf Körperausscheidungen?

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