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Schulen Sie zur Kommunikation und Sprache in der Beziehungsgestaltung mit Menschen mit Demenz

Bewusstheit für Sprache gehört nicht nur in der Pflege von Menschen mit Demenz dazu, sondern in all unseren Handlungen. In der Beziehungsgestaltung und auch Dokumentation der Arbeit mit an Demenz […]

Sandra Herrgesell

01.10.2024 · 3 Min Lesezeit

Bewusstheit für Sprache gehört nicht nur in der Pflege von Menschen mit Demenz dazu, sondern in all unseren Handlungen. In der Beziehungsgestaltung und auch Dokumentation der Arbeit mit an Demenz erkrankten Pflegekunden kommt der Sprache eine ganz besondere Bedeutung zu.

  1. Bereits bei der Informationssammlung ist Sprache wichtig. Grundlage für eine personenzentrierte Beziehungsgestaltung und das Bilden von Verstehenshypothesen ist die Informationssammlung. So erhalten Sie Informationen von Pflegekunden, die sich noch äußern können:
    • Bilden Sie kurze, klare Sätze.
    • Sprechen Sie langsam und laut, ohne zu schreien.
    • Verwenden Sie konkrete Begriffe, Namen sowie Orientierungshilfen.
    • Lassen Sie Zeit, um die Frage zu verstehen, und wiederholen Sie sie gegebenenfalls noch einmal.
    • Gehen Sie auf Äußerungen ein.
    • Bieten Sie Hilfen zur Formulierung an. ʍ Korrigieren Sie Widersprüche und „unsinnige“ Äußerungen nicht.
    • Nehmen Sie subjektive Wortkreationen ernst.
    • Wechseln Sie langsam zwischen den Themen hin und her.
  2. Manipulation und Täuschung ist ein No-Go. Ein Beispiel: „Der Bus kommt gleich“ anstatt „Sie wollen nach Hause. Das kann ich verstehen“. Wir haben viele Möglichkeiten, unseren Pflegekunden etwas zu erzählen, das gar nicht stimmt. Besser ist es, ihnen ein Kontaktangebot zu machen. Ein Stückchen mit jemandem gehen, der oder die nach Hause möchte. Eine Berührung. Sich gemeinsam hinsetzen und verweilen.
  3. Infantilisierung ist tabu. Es gibt keine Lätzchen, keine Windeln, wir machen auch nicht „Heia“ und es hat auch nicht „uns“ geschmeckt, sondern im besten Fall dem Pflegekunden.
  4. Niemand wird eingeschüchtert. Ist das selbstverständlich? Nein, das ist es nicht. „Wenn sie nicht, … dann …“ Solche Sätze sind tabu. Stattdessen bilden wir die Verstehenshypothese, denn sie hilft zu begreifen, warum die Pflegekunden nicht immer das machen, was wir gerne wollen.
  5. Duzen oder Siezen wird reflektiert. Jemand zu duzen kann manchmal nötig und angemessen sein, ist jedoch eine Einzelfallentscheidung. Vielfach ist in der Praxis das Duzen jedoch schon auf der Grundlage der Diagnose „Demenz“ anzutreffen und das ist nicht gerechtfertigt. Auch wenn jemand „dement“ ist, kann ich die Person mit „Sie“ und ihrem Vornamen ansprechen, falls sie den Nachnamen vergessen hat. Mit dem generellen Du ist manchmal das „Stell dich nicht so an“ schneller gesagt.
  6. Etikettierung über Sprache ist nicht erwünscht. Menschen mit Demenz sind nicht immer so oder so. Einzelne machen „nicht immer“ dieses oder jenes. Vermeiden Sie daher Aussagen wie „Frau Müller ist immer aggressiv“. Ist jemandem über Sprache einmal ein Etikett aufgeklebt, wird er es oft nicht so schnell wieder los. Besser ist es, sachlich zu beschreiben.
  7. Niemand wird entwertet. Erkennen Sie die subjektive Gefühlswelt von Menschen mit Demenz an. Wenn sie traurig sind, heißt es nicht: „Stellen Sie sich nicht so an“, sondern „Das verstehe ich“. Auch nonverbal stehen Möglichkeiten des Tröstens zur Verfügung. Entwertung durch Begriffe wie „eingekotet“ „gepinkelt“ etc. sind im Sprachgebrauch tabu. Lästern oder Sätze wie „Das können Sie nicht, ich mache das“ sind zu unterlassen.
  8. Sprachliche Integration ist das Ziel. Mit Sprache können wir viel Macht ausüben. Jemanden auszugrenzen („Hier ist kein Platz mehr“) oder einzuladen („Sie sind herzlich willkommen, setzen Sie sich“) ist möglich. So zu sprechen, dass jemand das Gesagte nicht versteht, eine Fremdsprache und zu schnelles Sprechen grenzen ebenfalls aus. Mit Sprache sowohl verbal als auch nonverbal können Sie jedoch jemanden auch sehr schön integrieren, Beziehung und Kontakt herstellen und der Person das Gefühl geben dazuzugehören.
  9. Personenzentrierte Kommunikation sollte überall erlebbar sein. Sprache ist nicht nur ein verbindendes Element in der Beziehungsgestaltung. Sie stellt sich in der Pflege in jeder direkten Begegnung dar, und auch im Gespräch über die Menschen mit Demenz. Beispielsweise in der Übergabe: Auch hier sollte sich die personenzentrierte und anerkennende Grundhaltung wiederfinden.
  10. Angemessene Sprache im Pflegebericht gehört dazu. Die personenzentrierte Haltung sollte sich auch im Pflegebericht widerspiegeln. In das Berichteblatt gehören für Pflegekunden mit Demenz Abweichungen zu wiederkehrenden Maßnahmen und Ritualen sowie Beobachtungen auf der Grundlage der Verstehenshypothese.

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