In diesem Abschnitt möchte ich Ihnen 2 Pflegeeinrichtungen vorstellen, die sich strategisch gut aufgestellt haben und damit sehr erfolgreich sind. Sie heben sich von ihren Wettbewerbern ab und sind durch ihre Strategien für Kunden und Mitarbeiter attraktiv. Das bedeutet, sie erhalten Initiativbewerbungen von Mitarbeitern und haben einen im Vergleich zur Branche sehr niedrigen Krankenstand und wenig Fluktuation. Vielleicht ist das ein Anreiz für Sie, einmal über neue und innovative Geschäftsmodelle nachzudenken. Also verlassen Sie eingetretene Pfade im Sinne von „Das haben wir schon immer so gemacht“ hin zu: „Wie gestalten wir unsere Zukunft und welche Bedürfnisse haben unsere Klienten derzeit und was erwarten sie in den nächsten Jahren?“ Immer wenn ich Mitarbeiter in stationären Einrichtungen frage, ob sie sich vorstellen können, selbst als Bewohner in ihrer eigenen Einrichtung zu leben, bekomme ich überwiegend negative Aussagen. Ich finde nicht, dass Mitarbeiter damit ihre eigene Leistung disqualifizieren, sondern denke eher, dass es neben den vorhandenen stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten noch weitere Optionen für eine gute Versorgung pflegebedürftiger Menschen geben muss und in Zukunft geben wird. Dafür braucht es konkrete Angebote von Einrichtungen, die sich mit zukünftigen Anforderungen von Klienten beschäftigen.
Strategie-Beispiel 1
Ein Pflegeanbieter in Berlin mit 12 stationären, ambulanten und teilstationären Standorten, 850 Mitarbeitern und 2.500 Kunden verfolgt den Grundsatz: „Pflege und Pflegebedürftigkeit gehören abgeschafft.“ Das mag zunächst befremdlich klingen. Schließlich steigen gerade für stationäre Einrichtungen die Einnahmen mit zunehmender Pflegebedürftigkeit der Pflegekunden. Diese Einrichtung hat jedoch schon 1982 sozusagen als Start-up ein Pflegemodell entwickelt, das alten und kranken Menschen mit einem rehabilitativ-therapeutischen Ansatz zu neuer geistiger und körperlicher Vitalität verhelfen und verloren gegangene Selbstständigkeit wiederherstellen soll. Ziel soll immer sein, pflegebedürftige Menschen selbstständiger zu machen, damit sie mehr Lebensqualität empfinden. Dazu werden alle Mitarbeiter in Grundlagen der Rehabilitation qualifiziert und erhalten psychologische Grundkenntnisse. Sie sind danach „persönliche Coaches“ für ihre Klienten. Jeder Klient erhält von seinem eigenen Coach ein individuelles Therapieprogramm. Der Coach leitet den Pflegekunden an und gibt Hilfestellungen, damit dieser Alltagsaktivitäten wieder selbstständig durchführen kann. Pflegebedürftige sollen wieder zurück ins Leben finden, fitter und lebensfroher werden. Mit diesem Konzept ist die Einrichtung ungeschlagen 6-mal in Folge bei „Deutschlands Kundenchampions“ auf Platz eins im Vergleich mit großen Unternehmen bis 4.999 Mitarbeitern gelandet. Insbesondere das Engagement der Mitarbeiter wurde bei der Auszeichnung hervorgehoben. „Ein ausschlaggebender Punkt für den hohen Fananteil sind die Mitarbeiter des Unternehmens, die als überdurchschnittlich serviceorientiert, freundlich und professionell wahrgenommen werden“, heißt es in der Veröffentlichung der Initiatoren im Rahmen der Preisverleihung.
Das sind die wichtigen Erfolgsfaktoren:
- Statt „Satt und sauber“ für die Pflegekunden heißt das neue Ziel: „Verbesserung des Gesundheitszustands und Wiedergewinnung von verlorenen Fähigkeiten“.
- Die fachliche und persönliche Weiterentwicklung von Mitarbeitern durch Trainings-, Supervisions- und Entwicklungsprogramme wird ermöglicht.
- Die Mitarbeiter verfügen über therapeutische Kompetenz im Sinne von Reha- und Therapiemethoden, die ansonsten nur von Physio- und Ergotherapeuten oder in Reha-Kliniken angewandt werden.
- Mitarbeiter erleben sinnvolle Arbeit, angenehmes Betriebsklima und gute Möglichkeiten, sich fort- und weiterzubilden.
- Die Mitarbeiter sind motiviert durch exzellentes Führungsverhalten von Vorgesetzten.
- Mitarbeiter haben Freude am Lernen und an der persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung. Sie denken positiv und haben keine Angst vor Neuem.
- Mitarbeiter haben Freude an erreichten Erfolgen.
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