Wenn ich an meine Zeit als Pflegende vor 30 Jahren zurückdenke, wird mir manchmal ganz schummrig. Wie oft haben wir Menschen mit Demenz missverstanden, wie oft sind Situationen eskaliert, weil wir uns nicht bewusst gemacht haben, wieso sie sich wahrscheinlich so oder so verhalten? Wie oft haben wir fixiert oder jemandem unseren Willen aufgezwungen? Damals war das Verständnis von Demenz anders. Dennoch: Auch heute noch sind solche Phänomene anzutreffen und sie stellen eine Form von Gewalt dar. Und hier setzt die Verstehenshypothese an.
So kommen Sie zu der Verstehenshypothese
Eine Hypothese ist rein wissenschaftlich betrachtet eine Annahme, die nicht bewiesen ist. Wir verwenden sie jedoch, um Phänomene um uns herum zu erklären. So können wir sie auch nutzen, um Gründe für Verhaltensweisen zu benennen und diese dann besser zu verstehen. Das ist eine große Chance – und auch ein großes Risiko. Denn: Wir können uns irren und haben vielleicht eine falsche Annahme. Oder wir bilden einmal eine Annahme und hinterfragen diese nicht mehr. Gleichzeitig neigen wir eher dazu, Dinge zu beschreiben, die wir sehen, als eine tatsächliche Hypothese zu bilden.
Beispiel: Herr B. ist lange obdachlos gewesen und nun als Pflegekunde mit Demenz in einer stationären Einrichtung untergebracht. Hier weiß er gar nicht, wie ihm geschieht. Immer wenn er auf dem Boden schlafen möchte, versuchen die Pflegekräfte, ihn mit Nachdruck zu überzeugen, das Bett aufzusuchen. Da wird er dann schon mal ungeduldig und im Pflegebericht steht dann: „Herr B. ist aggressiv und weigert, sich das Bett zu benutzen.“
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