Leserfragen

Umgang mit Bewohnern, die Hilfe ablehnen

Frage: „In unserer Einrichtung haben wir mehrere Bewohner mit depressiven Symptomen. Oft lehnen sie Gesprächsangebote oder Aktivitäten konsequent ab. Manche reagieren sogar gereizt, wenn wir versuchen, sie einzubeziehen. Im Team […]

Lydia Lebelt

27.11.2025 · 1 Min Lesezeit

Frage: „In unserer Einrichtung haben wir mehrere Bewohner mit depressiven Symptomen. Oft lehnen sie Gesprächsangebote oder Aktivitäten konsequent ab. Manche reagieren sogar gereizt, wenn wir versuchen, sie einzubeziehen. Im Team herrscht Unsicherheit: Sollen wir die Ablehnung respektieren und den Rückzug zulassen oder immer wieder Angebote machen? Wie finden wir das richtige Maß, ohne Druck aufzubauen, aber auch nicht tatenlos zuzusehen?“ (Christiane S., Dortmund)

Antwort: Ablehnung gehört zu den typischen Symptomen einer Depression. Bewohner ziehen sich zurück, verlieren das Interesse an früheren Hobbys und reagieren gereizt, wenn andere Nähe suchen. Für Sie und Ihr Team ist das oft frustrierend – doch genau hier liegt Ihre wichtige Rolle. Entscheidend ist, dass Sie den Rückzug weder bagatellisieren noch als endgültig akzeptieren. Bewohner brauchen wiederholte wertschätzende Angebote, ohne dass sie unter Druck geraten.

Orientieren Sie sich an 4 Prinzipien: Respekt, Wiederholung, Niedrigschwelligkeit und Geduld. Respektieren Sie zunächst die aktuelle Stimmung. Zwingen Sie niemanden, an einer Aktivität teilzunehmen. Gleichzeitig sollten Sie den Kontakt nicht abbrechen. Schon ein kurzes Gesprächsangebot oder die Einla

dung zu einer kleinen Aktivität („Möchten Sie einen Spaziergang machen?“) sendet das Signal: „Wir sehen Sie, wir lassen Sie nicht allein.“ Auch wenn die Antwort mehrfach Nein lautet, wirkt die Geste. Achten Sie darauf, dass Ihre Angebote niedrigschwellig bleiben: kurze, überschaubare Aktivitäten ohne großen Energieaufwand. Statt Gruppenveranstaltungen eignen sich kleine Impulse im Zimmer – ein Lied anspielen, eine Zeitung reichen, ein Glas Wasser bringen. Wiederholen Sie diese Angebote regelmäßig, auch wenn die ersten Versuche scheitern. Der Erfolg zeigt sich oft erst nach vielen Anläufen. Das 4. Prinzip, Geduld, ist dabei entscheidend. Bewohner mit Depression erleben jeden Tag anders. Was heute unmöglich erscheint, kann morgen gelingen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Fortschritte klein oder kaum sichtbar sind. Beständige Geduld vermittelt Sicherheit und gibt den Bewohnern Raum, sich in ihrem eigenen Tempo wieder zu öffnen. Vermeiden Sie es, Ablehnung persönlich zu nehmen. Bewohner lehnen nicht Sie als Person ab, sondern die Situation, die ihnen gerade zu viel ist. Dokumentieren Sie konsequent, welche Angebote Sie gemacht haben und wie die Reaktionen waren. So sieht das Team Entwicklungen und kann gezielter reagieren.

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