„Mein Vater schläft ja nur noch – immer, wenn ich komme, döst er im Sessel oder liegt regungslos im Bett!“ Die Tochter ist besorgt und frustriert. Für sie ist der Besuch ein Moment des Austauschs, der Nähe – doch ihr Vater scheint kaum noch ansprechbar. Beschwerden wie diese sind nicht selten in Pflegeeinrichtungen, auch in Tagespflegen kommen sie vor. Dabei stehen Pflegekräfte zwischen Empathie, medizinischer Abklärung und dem Anspruch, Angehörige ernst zu nehmen.
Zwischen Rückzug und Erschöpfung: Warum Menschen mit Demenz mehr schlafen
Im Verlauf einer Demenz verändern sich nicht nur kognitive Fähigkeiten, sondern häufig auch der Schlaf-wach-Rhythmus. Viele Betroffene sind tagsüber schläfriger, dösen häufig ein und sind nachts unruhiger. Dieses Phänomen ist gut dokumentiert – und nicht nur bei Demenz, sondern bereits im höheren Alter ohne kognitive Einschränkungen nachweisbar. Eine Metaanalyse von Guarnieri et al. (2012) zur Schlafarchitektur bei Alzheimer-Demenz zeigte: Menschen mit Demenz haben signifikant reduzierte Tiefschlafphasen und häufigere nächtliche Wachphasen. Dadurch entsteht tagsüber ein kompensatorisches Schlafverhalten. Eine Querschnittsanalyse der Universität Witten/Herdecke (2022) in Pflegeeinrichtungen in NRW bestätigte die Erkenntnis.
Warum das Angehörige beunruhigt – und manchmal zu Beschwerden führt
Für Angehörige ist der Besuch in der Einrichtung oft ein emotional aufgeladener Moment. Sie haben sich Zeit genommen, eine Anreise auf sich genommen, vielleicht auch Hoffnungen oder Erwartungen mitgebracht – und werden dann mit einem Bild konfrontiert, das ihnen Sorge bereitet: Ihr geliebter Mensch liegt teilnahmslos da, spricht kaum oder döst. Diese Situation kann leicht als Zeichen mangelnder Betreuung oder gar Vernachlässigung fehlinterpretiert werden.
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