Förderung der Mundgesundheit

Warum der Blick in den Mund oft zu spät kommt

Kennen Sie das aus Ihrem Arbeitsalltag? Bei einer meiner letzten Qualitätsprüfungen auf einem Wohnbereich fiel mir ein Herr auf, der seit Tagen sein Essen ablehnte und zunehmend unruhig wirkte. Die […]

Alessandra Calcagnile

10.08.2026 · 1 Min Lesezeit

Kennen Sie das aus Ihrem Arbeitsalltag? Bei einer meiner letzten Qualitätsprüfungen auf einem Wohnbereich fiel mir ein Herr auf, der seit Tagen sein Essen ablehnte und zunehmend unruhig wirkte. Die Pflegekraft vermutete eine demenzbedingte Verhaltensänderung. Erst beim gezielten Blick in den Mund erkannten wir das Problem: eine sichtbare, schmerzhafte Entzündung unter der Zahnprothese. Diese Erfahrung zeigt, dass Mundpflege und Mundhygiene Kernaufgaben der Pflege sind, die wir viel ernster nehmen müssen. Die Veröffentlichung des Expertenstandards vor einigen Jahren liefert die rechtliche und fachliche Basis, um vor der bloßen, oft intuitiven Zahnpflege zu einer echten, strukturierten Förderung der Mundgesundheit zu gelangen.

Das sagen die Zahlen

Ein Blick auf den Stand der Mundgesundheit in der deutschen Bevölkerung zeigt eine Schere: Während die Zähne bei Jüngeren einen immer besseren Eindruck machen, brennt es bei Menschen mit pflegerischem Unterstützungsbedarf gewaltig. Studien vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und die regelmäßigen Pflegereports der Barmer-Krankenkasse belegen: Mit dem Verlust der Alltagskompetenz und dem Eintritt der Pflegebedürftigkeit verschlechtert sich der orale Status der Betroffenen meist drastisch.

Das Ganze ist auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Die direkten Krankheitskosten für Zahn und Munderkrankungen in Deutschland belaufen sich laut Statistischem Bundesamt auf mehrere Milliarden Euro jährlich – sie machen damit den größten Teil der Kosten für Erkrankungen des Verdauungssystems aus. Ein großer Teil dieser Summe entsteht, weil in der Prävention gespart wird. Genau hier können wir durch Prophylaxe gegensteuern.

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