Frage: Meine Hilfskraft Nadine hat mich gestern gefragt, warum wir Fachkräfte bei den Visiten mit den Hausärzten immer so darauf drängen, dass unsere Pflegekunden möglichst wenig Medikamente verordnet bekommen. Das ist uns in der Tat sehr wichtig! Aber ich konnte es ihr gegenüber leider nicht so richtig fachlich begründen, warum wir die Polypharmazie immer vermeiden wollen. Können Sie mir ein paar gute fachliche Argumente liefern?
Antwort: Ich finde, Sie und Ihre Kollegen verfolgen einen sehr guten Ansatz! Gern hier ein paar Argumente, wie und warum Medikamente im Alter anders wirken und warum deshalb bei den Verordnungen Vorsicht geboten ist:
- Abnahme der Nierenfunktion: Die Leistungsfähigkeit der Nieren nimmt ab dem 40. Lebensjahr um etwa 1 % pro Jahr ab. Bei Diabetes und Hypertonie verringert sich die Nierenfunktion noch einmal deutlich stärker. Dann muss bei vielen Medikamenten, die über die Niere ausgeschieden werden, die Dosis deutlich und nachhaltig verringert werden.
- fehlende Kompensationsmöglichkeiten: Blutdruckschwankungen können im Alter nicht mehr so gut ausgeglichen werden. Unseren Pflegekunden fehlt die Bewegung, die junge Menschen haben. Kreislaufwirksame Medikamente können deshalb bei unseren zu Pflegenden häufiger zu Schwindelproblemen und Stürzen führen.
- empfindlichere Nervenzellen: Der alte Mensch reagiert deutlich empfindlicher auf Medikamente, die am Nervensystem und am Gehirn ansetzen oder dort Nebenwirkungen verursachen.
- Gefahr Polypharmazie: Verschiedene Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden sein kann. Als Faustregel gilt: Ab 5 Arzneimitteln verdoppelt sich das Nebenwirkungsrisiko.
Klären Sie gern Ihre interessierten Assistenz und Hilfskräfte mit diesen Hintergrundinformationen auf.
Testen Sie jetzt „Praxis: Altenpflege“ und profitieren Sie von einer maßgeschneiderte Unterstützung für ambulante und stationäre Pflegefachkräfte!
Jede Ausgabe erleichtert Ihren Berufsalltag mit kompakt aufbereiteten pflegefachlichen Informationen, aktuellen Inhalten und direktem Praxisbezug. Speziell für examinierte Pflegefachkräfte, die in der ambulanten und stationären Altenpflege mit weniger Aufwand mehr erreichen möchten.