Wege zu empathischer Kommunikation

Wenn Stimmungen uns berühren: Ansteckungsgefahr möglich?

Der Alltag in der Tagespflege ist bunt und manchmal auch herausfordernd. Sie begegnen vielen verschiedenen Stimmungen und Gemütslagen Ihrer Gäste – von Freude und Entspannung bis hin zu Unruhe oder Anspannung. […]

Anne Brandt

18.11.2024 · 3 Min Lesezeit

Der Alltag in der Tagespflege ist bunt und manchmal auch herausfordernd. Sie begegnen vielen verschiedenen Stimmungen und Gemütslagen Ihrer Gäste – von Freude und Entspannung bis hin zu Unruhe oder Anspannung. Könnte es sein, dass diese Stimmungen ansteckend sind? Und wenn ja, ist es möglich, diese Stimmungsübertragungen positiv zu nutzen, um sowohl das eigene Wohlbefinden als auch das Ihrer Gäste zu verbessern und mehr Leichtigkeit im Pflege- und Betreuungsalltag zu erlangen?

Haben Sie es schon einmal erlebt, dass Ihre Fröhlichkeit die Laune eines Gastes hebt? Oder dass ein wütender Gast plötzlich die Stimmung im Raum beeinflusst und andere Gäste ähnliche Verhaltensweisen zeigen? Vielleicht haben Sie auch bemerkt, wie das Vorlesen einer ruhigen Geschichte die gesamte Gästerunde beruhigt. Diese Beispiele sind klare Anzeichen dafür, dass Stimmungen ansteckend sein können. Wie das Wissen um die Ansteckungsgefahr von Stimmungen Ihren Alltag in der Tagespflege erleichtern und Ihre Berührungsangebote bereichern kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

Diese 5 wichtigen Aspekte der Stimmungsübertragung sollten Sie kennen, um sie in Ihrem Alltag zu berücksichtigen.

5 wichtige Aspekte der Stimmungsübertragung

  1. Biologische Aspekte – Spiegelneuronen: Spiegelneuronen sind spezifische Nervenzellen im Gehirn, die eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Stimmungen spielen. Sie werden aktiv, wenn wir Handlungen oder Emotionen bei anderen beobachten. Dadurch können wir Verhaltensweisen erlernen, ohne sie selbst auszuführen, und Emotionen unbewusst „spiegeln“. So beeinflussen etwa Fröhlichkeit oder Anspannung einer Person unbemerkt die Stimmung anderer. Besonders bei Gästen mit Demenz kann die Fähigkeit, Worte zu verstehen, nachlassen. Spiegelneuronen helfen dabei, Handlungen und Emotionen zu erfassen, auch ohne verbale Kommunikation. Über das Vormachen von Handlungen, das Einsetzen von Materialien und eine freundliche nonverbale Kommunikation können besonders Ihre Gäste mit Demenz sich an Ihnen orientieren. Sie nehmen diese Signale (meist unbewusst) auf und fühlen sich dann sicherer. Nutzen Sie dieses Resonanzsystem der Spiegelneuronen bewusst für mehr Orientierung, Sicherheit und Leichtigkeit im Alltag Ihrer Tagespflege.
  2. Soziale Aspekte – Die Wichtigkeit von sozialen Bindungen: Als soziale Wesen erkennen wir die Stimmungen anderer und reagieren darauf. Diese Empathie stärkt unsere sozialen Bindungen und hilft uns, einander zu unterstützen. Wissenschaftler vermuten, dass diese Fähigkeit evolutionär entwickelt wurde, um das Überleben in Gemeinschaften zu sichern. Soziale Bindungen sind nicht nur entscheidend für unser emotionales Wohlbefinden, sondern auch für unsere körperliche Gesundheit. Menschen brauchen soziale Beziehungen, um sich sicher und geborgen zu fühlen.
  3. Kollektive Stimmungsansteckung: Oft beeinflusst nicht nur eine Person die Stimmung, sondern eine kollektive Stimmung kann entstehen, die alle erfasst. Stellen Sie sich eine Tagespflege vor, in der beim Frühstück gelacht wird. Diese positive Energie überträgt sich auf die Gruppe. Aber auch negative Stimmungen können sich schnell verbreiten. Eine angespannte Atmosphäre oder Streit kann die Stimmung stark trüben. Solche Stimmungsübertragungen beeinflussen das Wohlbefinden der Gäste und können leicht eine Kettenreaktion auslösen, die das Stressniveau in der Gruppe erhöht. Positive kollektive Stimmungen hingegen können die Motivation und Zufriedenheit steigern.
  4. Die räumliche Umgebung als Stimmungsverstärker: Auch die räumliche Umgebung beeinflusst, wie wir uns fühlen. Ein dunkler, ungemütlicher Raum kann das Unbehagen verstärken, während eine helle, freundliche Umgebung eher für Wohlbefinden sorgt. Die räumliche Gestaltung wirkt also wie ein Stimmungsverstärker. Achten Sie darauf, welche Stimmung Ihre Räumlichkeiten erzeugen – sowohl bei Ihnen selbst als auch bei Ihren Gästen.
  5. Die Art der Kommunikation beeinflusst die Stimmung: Wie wir kommunizieren, hat großen Einfluss auf die Stimmung. Eine laute Stimme kann bedrohlich wirken, während ein ruhiger Ton Sicherheit vermittelt. Auch die nonverbale Kommunikation ist entscheidend: Körpersprache, Mimik und Gestik tragen wesentlich zur Stimmung im Raum bei. Freundliche und respektvolle Kommunikation schafft eine angenehme Atmosphäre und trägt zum Wohlbefinden aller bei.

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