Die Kraft der Worte – Sprache ist unser wichtigstes Handwerkzeug. Wir schaffen durch unsere Kommunikation Nähe, vermitteln Sicherheit. Sprache kann aber auch verwirren, Missverständnisse auslösen und Menschen verletzen. Gerade im stressigen Berufsalltag können sich Muster einschleichen, die zwar freundlich gemeint sind, aber die Pflegekunden ungewollt abwerten.
Fallbeispiel: Pflegekraft Tina begleitet die Pflegekundin zum Mittagstisch und sagt freundlich: „Na, Inge, wollen wir uns mal an den Tisch setzen und ein Häppchen essen?“ Die Pflegekundin stutzt und wirkt irritiert. „Essen wir beide nun gemeinsam?“, denkt sie sich. Auch das Wort „Häppchen“ stößt ihr auf: Warum soll sie nur kleine Portionen essen? Sie hat doch richtig Hunger und schafft auch eine große Portion. Inge fühlt sich wie ein Kind behandelt, nicht wie eine gestandene Frau. Die Pflegekraft hat sich nichts dabei gedacht – die ältere Dame fühlt sich aber nicht ernst genommen. Sie zieht sich zurück und wirkt gekränkt.
Gut gemeint – oft nicht gut
Die Wortwahl von Pflegerin Tina war gut gemeint. Mit „wir“ wollte sie Nähe schaffen und die Situation auflockern. Die Verniedlichungsform „Häppchen“ sollte freundlich klingen. Doch das Ergebnis ist das genaue Gegenteil: Kompetenzen werden kleingeredet und Erwachsene wie Kinder behandelt. Das kann Pflegekunden zumindest irritieren, mitunter sogar verletzen.
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