Frage: In unserem Wohnbereich fällt mir immer wieder auf, dass einige Kollegen mit den Pflegekunden sprechen, als wären diese Kinder. Wenn ich Sätze wie „Heute sind wir aber wieder bockig“ höre, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Wir pflegen doch keine Kinder, sondern gestandene Menschen. Ich weiß aber nicht, ob und vor allen Dingen WIE ich das ansprechen soll, ich möchte ja nicht unangenehm im Team auffallen. Was kann ich tun?
Antwort: Ich kann gut verstehen, dass Ihnen solche Formulierungen unangenehm aufstoßen. Sprache dient nicht nur der Informationsweitergabe. Sie zeigt auch, mit welcher Haltung wir einem Menschen begegnen. Natürlich ist nicht jede „kindliche“ Formulierung zwingend böse gemeint. Ganz im Gegenteil: Manche Kollegen sprechen besonders verniedlichend, weil sie es herzlich meinen. Trotzdem kann genau das bei Pflegekunden schnell bevormundend wirken.
Wichtig:
Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht. Auch freundlich gemeinte Sprache kann entwürdigend sein, wenn man den Pflegekunden nicht auf Augenhöhe begegnet. Wenn Menschen immer wieder vermittelt bekommen, dass sie „klein“ sind, kann dies zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung – und der Abbau vorhandener Ressourcen durch die Kommunikation begünstigt werden.
Bringen Sie das Thema allgemein ins Team ein, z. B. in einer Übergabe, bei einer Fallbesprechung oder Teamsitzung. Dabei können Ihnen die folgenden Fragen helfen:
- Wie möchten wir unsere Pflegekunden ansprechen, um nicht respektlos zu wirken?
- Machen Kosenamen und Verniedlichungen die Menschen nicht ungewollt klein?
- Wo beginnt bevormundende Sprache?
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