Fallbesprechung des Monats

Wohlfühltemperatur: Erkennen Sie individuelle Bedürfnisse

Kürzlich berichtete eine unserer Leserinnen aus ihrer Arbeit in einer Tagespflege mit zugehörigem Pflegedienst. Hintergrund war eine wiederkehrende Beschwerde einer besorgten Tochter. Diese bestand darauf, dass ihr Vater stets und […]

Jochen Gust

20.12.2024 · 4 Min Lesezeit

Kürzlich berichtete eine unserer Leserinnen aus ihrer Arbeit in einer Tagespflege mit zugehörigem Pflegedienst. Hintergrund war eine wiederkehrende Beschwerde einer besorgten Tochter. Diese bestand darauf, dass ihr Vater stets und durchgehend eine Strickjacke zu tragen habe. Menschen mit Demenz haben häufig ein verändertes Temperaturempfinden im Vergleich zu Menschen ohne Demenz. Dafür gibt es ver­schiedene Gründe – Sie als Pflegeprofis sollten daher bewusst auch mit dieser Thematik umgehen.

BEISPIEL :

Herr F. muss Jacke trage

Herr F. lebt mit fortgeschrittener De­ menz und besucht viermal die Woche eine Tagespflege in Dortmund. Seine Tochter, die sich liebevoll im Alltag kümmert und vor über zwei Jahren die Versorgung zu Hause übernom­ men hat, besteht darauf, dass er stets eine Strickjacke trägt. Sonst, so ihre Überzeugung, friere ihr Va­ ter. Dieser kann selbst kaum noch sprechen, gelegentlich kommen auf Fragen adäquate Antworten in Ein­ Wort­Sätzen.

Herr F. zieht sich, kaum in der Tages­ pflege angekommen, die Strickjacke regelmäßig aus. Die Tochter besteht jedoch darauf, dass die Mitarbeiten­ den ihm diese – nötigenfalls immer wieder – anziehen. Einige Mitarbei­tenden kommen dem bis zu fünfmal pro Tag nach, andere nicht. Dies führt auch wiederkehrend zu Diskussio­nen im Team, die weitergehend auch z. B. das Lüften oder das Regulieren der Raumtemperatur betreffen.

Gründe, warum sich das Temperaturempfinden im Rahmen einer Demenz ändert

  • Veränderungen im Gehirn: Die fort­ schreitende Schädigung bestimmter Gehirnregionen, insbesondere im Hypothalamus, der für die Regulie­ rung der Körpertemperatur verant­

wortlich ist, kann das Temperatur­ empfinden beeinflussen. Dadurch erkennen Betroffene Kälte oder Wär­ me oft nicht in gewohnter Weise und reagieren entsprechend langsamer oder gar nicht.

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