Frage: „In unserer Einrichtung erleben wir oft Konflikte bei der morgendlichen Grundpflege. Ein typisches Beispiel ist Frau Müller, die regelmäßig die Pflegekräfte anschreit und wegschickt, weil sie vorgibt, noch schlafen zu wollen. Im Pflegebericht lesen wir dann oft:
‚Bewohnerin zeigt sich aggressiv und verweigert die Pflege.‘ Wie kann ich meine Teams dazu bringen, solche Situationen in der Dokumentation professioneller abzubilden, anstatt sie nur als Störung des Ablaufs zu bewerten?“ (Thekla M., Berlin)
Antwort: Das Beispiel von Frau Müller verdeutlicht eine zentrale Herausforderung: die Vermischung von beobachtbarem Verhalten und persönlicher Interpretation. Um eine professionelle Haltung zu fördern, muss das Team lernen, das Schreien nicht als persönlichen Angriff oder reine Kooperationsverweigerung zu sehen, sondern als Ausdruck eines unbefriedigten Bedürfnisses. In der Dokumentation sollte daher nicht zu lesen sein, dass die Bewohnerin „aggressiv“ ist, sondern was genau passiert ist, z. B.: „Frau Müller rief laut: ‚Verschwinden Sie, ich will schlafen‘, und zog sich die Bettdecke über den Kopf, als die Körperpflege um 7:30 Uhr angeboten wurde.“
Diese sachliche Beschreibung ist die Basis für eine fachliche Analyse. Im Fließtext der Dokumentation sollte das Team ermutigt werden, nach den Ursachen zu forschen: „Handelt es sich um eine biografische Prägung, weil Frau Müller zeit ihres Lebens eine Langschläferin war? Oder ist das Schreien eine Angstreaktion auf das plötzliche Einschalten des Lichts? Wenn wir verstehen, dass ihr Verhalten eine Form der Selbstbestimmung ist, können wir die Maßnahmen anpassen, etwa durch einen späteren Pflegezeitpunkt oder ein sanfteres Weckritual.“
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